WP1609 Muskelaufbautraining im Schwimmen

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Titel Muskelaufbautraining im Schwimmen
Veranstaltung PS Biomechanik
Autoren Selina Groll und Julian Raschke
Bearbeitungsdauer 45 Minuten
Präsentationstermin 01.02.2017
Zuletzt geändert 08.02.2017 (finalisiert)


Einleitung

Einführendes Beispiel



Das Video zeigt eindrucksvoll wie Britta Steffen 2009 den Weltrekord in 50m Freistil holt. Die 50m wurden von ihr in 23,73 Sekunden bezwungen. Es stellt sich die Frage, wie es möglich ist die Strecke in einer so geringen Zeit zu bewältigen. Die Antwort lautet ganz klar: Training! Natürlich handelt es sich hier um einen Weltrekord, der sich in anderen Verhältnissen befindet, als ein normal gutes Schwimmtraining erfüllen kann. Der Frage, wie ist es möglich einen solchen Weltrekord aufzustellen, wird in diesem Wiki nicht nachgegangen, dies könnte weiterführend getan werden. Dennoch wollen wir in diesem Wiki einen Teil aufzeigen, wie Schwimmleistungen verbessert werden können. Um einen solch guten Stil schwimmen zu können, der im Video präsentiert wurde, ist Kraft eines der zentralen Aspekte (vgl. Witt, 2014, S.166). Jede Bewegung entsteht durch Kräfte, die physikalische Erklärung dafür kann im zweiten Newton´sche Axiom, dem Grundgesetz der Dynamik, nachgelesen werden (vgl. Spikermann, 1993, S.45). In diesem Wiki werden kurz die Grundlagen des Muskels dargestellt, um nach der Thematik Muskelkater, zur muskulären Anpassung durch Krafttraining zu kommen. Im zweiten Teil wird dies dann auf die Sportart Schwimmen übertragen, die Sportartspezifika aufgezeigt und der Platz des Krafttrainings beim Schwimmtraining erklärt.

verfasst von Selina Groll

Der Muskel

Der Aufbau von Muskelgewebe sowie dessen Funktion sind detailliert in den Modulen MUS1 und MUS2 nachzulesen, daher wird an dieser Stelle ein grober Überblick der Thematik gegeben.

Aufbau

Muskeln ermöglichen durch ihre Fähigkeit sich zu kontrahieren die Bewegung des Knochenskeletts. Innerhalb der Muskelfasern befinden sich hunderte von Sarkomeren, die wiederum aus einem Bündel Myofibrillen bestehen. Diese setzten sich aus Mikrofilamenten (Aktin) und dem Protein Myosin zusammen. Begrenzt wird ein Sarkomer auf beiden Seiten von einem Z-Filament. Durch die Vielzahl hintereinander und parallel geschalteter Sarkomere in einer Muskelfaser, wird die Kraft einer Muskelkontraktion vergrößert (vgl. Lucius; Schwegler, 2011, S. 26).

Funktion

Durch den Verbrauch von Adenosintriphosphat (ATP) können sich Aktin und Myosin gegeneinander verschieben, was für eine Verlängerung bzw. Verkürzung des Sarkomers sorgt. Dabei nähern sich die Z-Filamente einander an. Es entsteht eine Molekularbewegung, die zur Kontraktion eines Muskels führt (vgl. Lucius, Schweger, 2011, S. 26-27).

Arten von Muskelgewebe

Der menschliche Muskelapparat lässt sich aufgrund seiner Beschaffenheit und auch des Aufbaus der einzelnen Muskeln in drei Typen gliedern:

  • Skelettmuskulatur
  • Herzmuskulatur
  • Glatte Muskulatur

(vgl. Lucius, Schweger, 2011, S. 27)

verfasst von Julian Raschke

Muskelkater

Die Theorien zu den Ursachen die der Entstehung eines Muskelkaters zugrunde liegen, weichen in der Literatur voneinander ab. Eine dieser Theorien beschreibt eine Stoffwechselstörung der Skelettmuskulatur. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine vermehrte Ansammlung von Milchsäure zu einer Reizung der freien Nervenendigungen führt, die dann wiederum das Erscheinungsbild des Muskelkaters auslöst (vgl. Wick, 2005, S. 107). Diese Ausführung ist jedoch seit geraumer Zeit umstritten, da „dieser Theorie folgend nach einem 400-m-Hürdenlauf die stärksten Muskelkaterbeschwerden auftreten müssten, da hier mit den höchsten Laktatkonzentrationen zu rechnen ist; dem ist aber nicht so“ (Wick, 2005, S. 107).

Eine weitere Theorie widerspricht der Übersäuerung des Muskels als Ursache, sondern macht eine ungewohnt nachgebende Arbeitsweise (exzentrische Belastung) der Muskulatur dafür verantwortlich. Demnach liegen dem Muskelkater Mikrotraumen der Muskelzellen, ausgelöst durch kleine Risse in den Z-Scheiben oder Z-Linien der Myofibrillen bis hin zu deren Zerreißen zugrunde. Der Organismus reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion, um den Reparaturprozess zu beschleunigen. Wasser dringt dabei in die Muskelfaser ein, wodurch der Muskel anschwillt und sich Ödeme bilden. Aufgrund dessen werden Dehnungsschmerzen wahrnehmbar (vgl. Berschin, 2012, S. 149). „Da eine einzelne Myofibrille über keine Nozizeptoren verfügt, empfindet der Betroffene zum Zeitpunkt der Zerreißung keinen Schmerz. Die Nervenendigungen liegen im umliegenden Gewebe; erst wenn die Kraftwirkung hier Rupturen hervorruft, wird Schmerz sofort fühlbar“ (Wick, 2005, S.107).

Auslöser und deren Symptome sind im Gegensatz zu den Ursachen einvernehmlich bekannt. Im Allgemeinen tritt Muskelkater nach ungewohnt starker Belastung der Muskulatur auf. Die Beschwerden erreichen bis zu 72 Stunden nach Beendigung des Trainings ihren Höhepunkt und bilden sich zumeist innerhalb einer Woche zurück. Als Auslöser können nach Wick (2005) folgende Gründe genannt werden:

  • Training nach Verletzung, Urlaub oder Trainingspause
  • Besonders intensive Belastungen (Tests, Wettkämpfe)
  • Koordinativ anspruchsvolles Training
  • Ungewohnte Bewegungs- und Belastungsabläufe
  • Ermüdende, lang andauernde Belastung

„Muskelkater ist immer ein Hinweis auf ein temporäres Missverhältnis von Belastung und Belastbarkeit und muss aufgrund der Schmerzsymptomatik als Beleg einer Fehl- oder Überbelastung gewertet werden“ (Wick, 2005, S. 106).

<spoiler | Wenn euch das Thema Muskelkater noch nicht ganz klar ist, dann öffnet das Fenster und lasst es euch noch einmal erklären>


</spoiler>
<note tip>TIPP! Weiterführend könnt ihr euch das Thema Muskelermüdung anschauen.</note>

verfasst von Julian Raschke

Anpassungsfähigkeit der Muskelfasern

Der Skelettmuskulatur ist es möglich, sich auf vielfältige Weise anzupassen. Dies ist für das Krafttraining von Vorteil und kann für gezieltes Muskeltraining genutzt werden. Die Reaktionen auf das Training finden innerhalb der Muskelfasern statt. Dort können folgende Mechanismen beeinflusst werden:

  • Änderung des Muskelfasertyps
  • Faserneubildung bzw. Faserteilung
  • Muskelfaserhypertrophie
  • Faserabbau

Daraus kann geschlossen werden, dass Struktur, Dicke und die Anzahl der Muskelfasern durch Krafttraining verändert werden können (vgl. Berschin, 2012, S. 19).

Die Wirkungsweise der verschiedenen anpassungsauslösenden Faktoren ist wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt. Es ist jedoch sicher, dass „zum einen die mechanischen Belastungen der Muskulatur während des Trainings, und zum anderen die in der Muskelzelle bei und nach dem Training stattfindenden Stoffwechselvorgänge entscheidend sind“ (Berschin, 2012, S. 19). Auf- und Abbau von Muskelzellen, so wird angenommen, geschehen in Folge von hormonellen Prozessen, die auf den beiden genannten Belastungsformen basieren (vgl. Berschin, 2012, S. 19).

verfasst von Julian Raschke

Muskuläre Anpassung durch Aufbautraining - Allgemein

Allgemein kann die Erhöhung der Muskelkraft sowie des Muskelvolumens als Ziel von Kraft- und Muskelaufbautraining festgehalten werden, wobei die Kraftfähigkeit der Muskelgruppen von verschiedenen Parametern beeinflusst wird. Es gilt zu beachten, dass zwischen der grundsätzlichen Kraftfähigkeit eines Muskels und der Kraftfähigkeit einer Bewegung differenziert werden muss, da durch das Muskel-Gelenk-System an den meisten Bewegungen mehrere Gelenke beteiligt sind, über die wiederum mehrere Muskeln miteinander vernetzt werden (vgl. Berschin, 2012, S. 35).

Folgende Effekte lassen sich durch Muskelaufbautraining erzielen:

Hypertrophie

Die Kraft die ein Muskel ausüben kann, wird durch dessen Dicke und Querschnitt begrenzt. Besitzt ein Muskel durch regelmäßig stattfindende große Kraftleistungen einen größeren Querschnitt, so geht dies mit einer höheren Arbeitsfähigkeit einher. Durch spezifische zusätzliche Belastung von Krafttraining wird die Arbeitsfähigkeit weiter erhöht und es kommt zum Dickenwachstum des Muskels. Diese Vermehrung der Muskelfaserzellen kann zum einen auf eine Vermehrung der Myofibrillen über die Proteinsynthese zurückgeführt werden, zum anderen auf ein Aufquellen der Muskelzellen durch Einspeichern von Glykogen und Wasser. Eine Hypertrophie ist vorzugsweise bei den schnellen Typ-II-Muskelfasern zu beobachten.

Um ein optimales Muskeldickenwachstum zu erzielen, muss in der Trainingspraxis eine Übung so lange wiederholt werden, bis keine Wiederholung mehr ausgeführt werden kann. Ebenso ist auf eine ausreichend lange maximale Muskelspannung zu achten (vgl. Berschin, 2012, S. 35-36).

Maximalkraftzuwachs

<note>Maximalkraft: „Ist die höchstmögliche Kraft, die ein Muskel erzeugen kann. Maximalkraft beim Training betrifft immer mehrere Muskeln, die gemeinsam Arbeiten und eine komplexe Bewegung erzeugen. Die Maximalkraft wird als die motorische Leistung definiert, mit der man gegen einen äußeren Widerstand (Schwerkraft des Gewichts) eine Bewegung gerade noch komplett ausführen kann“ (Berschin, 2012, S. 15).</note>

Die Maximalkraft wird durch die Faktoren Muskelfaserzusammensetzung sowie intra- und intermuskuläre Koordination bestimmt. Intramuskulär bedeutet dabei, wie viele Muskelfasern innerhalb eines Muskels arbeiten, intermuskulär hingegen, wie viel Kraft alle an einer Bewegung teilhabenden Muskeln aufbringen. Die innerhalb eines Muskels durch einen Nerv gesteuerten Muskelfasern und Muskelfaserbündel werden motorische Einheit genannt. Diese bewirkt eine gemeinsame Kontraktion des angesteuerten Muskelgewebes. „Die Gesamtkraft eines Muskels wird unter anderem davon bestimmt, wie viele der motorischen Einheiten gleichzeitig aktiviert werden können und mit welcher Frequenz dies geschieht“ (Berschin, 2012, S. 36).

Außerdem ist für einen optimalen Maximalkraftzuwachs die Qualität der Muskeln entscheidend. Diese wird dadurch bestimmt, dass langsame Muskelfasern durch gezielte Belastung in schnelle Muskelfasern umgewandelt werden (vgl. Berschin, 2012, S. 36).

Für das Training bedeutet dies, dass es erforderlich ist mit hohen und höchsten Zusatzlasten zu arbeiten und die Übungen explosiv durchführt. Dadurch werden zeitgleich mehr motorische Einheiten einbezogen als auch die Bewegungsgeschwindigkeit maximiert (vgl. Berschin, 2012, S. 36).

Schnellkraftzuwachs

<note>Schnellkraft: „Ist die Fähigkeit eines Muskels, sich gegen einen äußeren Widerstand möglichst schnell zu verkürzen. Sie entscheidet z.B. bei einem Kugelstoßer über die Stoßweite oder bei einem Boxer über die Schlagkraft“ (Berschin, 2012, S.15).</note>

Abgesehen vom Muskelquerschnitt, hängt die Kontraktionsgeschwindigkeit eines Muskels ebenso von der Muskelfaserzusammensetzung und der Zahl der Kontraktionsimpulse ab. Das bedeutet, dass bei einer Kontraktion des Muskels die schnellen Typ-II-Muskelfasern die langsameren Typ-I-Muskelfasern unterstützen, sofern für diese die Kraftanforderung zu groß ist. Für das Schnellkrafttraining bedeutet das, dass mit maximalen und submaximalen Lasten gearbeitet werden muss, um beide Fasertypen zu beanspruchen. Außerdem muss auch die absolute Bewegungsgeschwindigkeit beachtet werden (vgl. Berschin, 2012, S. 37).

Reaktivkraftzuwachs

<note>Reaktivkraft: „ Ist eine spezielle Form der Schnellkraft. Sie ist ein Maß für die Verkürzungsgeschwindigkeit bei unmittelbar vorangegangener Dehnung und beispielsweise bei Sprints und Sprüngen von zentraler Bedeutung“ (Berschin, 2012, S. 15).</note>

Für eine Steigerung der Reaktivkraft ist eine koordinierte Beherrschung von Bewegungsabläufen unabdingbar, um einen Körper optimal beschleunigen zu können. Eine große Rolle spielt die reaktive Spannungsfähigkeit, die das Elastizitäts- und Spannungsverhalten eines Muskels sowie der beteiligten Sehnen beschreibt. Der Verkürzung der Muskelspannung, die für eine Bewegung nötig ist, geht eine Dehnungsphase voran, die eine reflexartige Bewegung ermöglicht. Dehnung und Verkürzung erfolgen im Optimalfall innerhalb von 0,2 Sekunden und sorgt für eine reaktiv-explosive Bewegungsausführung. In der Trainingspraxis wird mit hohen und höchsten Lasten in Kombination mit reaktiven Bewegungsabläufen gearbeitet (vgl. Berschin, 2012, S. 37).

Kraftausdauersteigerung

<note>Kraftausdauer: „Ist die Fähigkeit, eine Kraftleistung möglichst lange aufrechtzuerhalten. Man unterscheidet dabei zwischen anaerober und aerober Ausdauer. Für Erstere sind die Energiespeicher im Muskel und in der Leber entscheidend, für Letztere spielen Blutversorgung und Struktur des Muskels eine wichtige Rolle“ (Berschin, 2012, S. 15).</note>

Ziel der Kraftausdauersteigerung ist es, eine möglichst ausgeprägte Ermüdungswiderstandsfähigkeit des Muskels bei Kraftleistung zu erreichen. Dabei spielen sowohl die Muskelstruktur als auch die angepasste Nutzung des Energiestoffwechsels eine wichtige Rolle. Im Regelfall besteht ein Kraftausdauertraining aus langen Belastungsdauern mit relativ hohen Belastungsumfängen. Umgesetzt werden kann dies im „Rahmen von hochvolumigen Trainingseinheiten mit vielen Serien und großer Wiederholungszahl, bei dem sogenannte lohnende Pausen gesetzt werden, die eine weitgehende, aber nicht vollständige Erholung zwischen den Serien ermöglichen“ (Berschin, 2012, S. 38-39).

verfasst von Julian Raschke

Krafttraining beim Schwimmen

Bedeutsamkeit von Kraft beim Schwimmen

Ziel bei jeder Sportart ist die Erhöhung der Leistung. Für mehr Leistung in spezifischen Sportarten wie Schwimmen gibt es einige Einflussfaktoren. Wissenschaftliche Trainingsbetreuung, Anpassung der Ernährung und regenerative Maßnahmen sind nur Beispiele. Zur Erhöhung der Leistung, bei jeder Sportart individuell, ist außerdem das Krafttraining zu nennen (vgl. Lang, 2011, S. 66).

Im oberen Abschnitt „Muskuläre Anpassung durch Aufbautraining“, wurden die verschiedenen Kraftaufbaumethoden dargestellt und verdeutlicht wie ein Kraftzuwachs entstehen kann. Auch beim Schwimmen spielt der Kraftzuwachs eine wichtige Rolle. Eine besondere Stellung nimmt beim Schwimmen die Anwendung der Kraft ein, denn die Kräfte müssen richtig genutzt werden. Die Impulse müssen über die gesamte Schwimmstrecke aufrechterhalten bleiben, dies stellt die besondere Anforderung dar. Hierfür ist neben Beweglichkeit und Ausdauer die Kraft gefordert. Um die Leistung beim Schwimmen erhöhen zu können, also große Kraftimpulse erbringen zu können ist also Krafttraining essentiell. (vgl. Spikermann, 1993, S. 45)

Schwimmspezifische Anforderungen

Zur Auswahl des Krafttrainings spielen laut Lang drei Säulen mit ein. Die erste Säule beschreibt die beteiligten Muskeln an der spezifischen Sportart, die zweite Säule meint die konditionellen Anforderungen der Muskelgruppe und die dritte Säule bezieht sich auf die individuellen Voraussetzungen jedes Sportlers. (vgl. Lang, 2011, S. 66) Oder anders ausgedrückt: bestimmt werden können sportspezifische Anforderungen durch die Betrachtung der Aspekte der Energiebereitstellung, Aspekte der Antriebserzeugung und die Benennung beteiligter Gelenke und Muskeln. (vgl, Spikermann, 1993, S.26)

Beteiligte Muskeln und Gelenke können bestimmt werden, wenn die Bewegungsabläufe analysiert werden. Beim Schwimmen (Bsp. Kraulschwimmen) sind folgende wichtige Bewegungen bestimmt worden (vgl. Spikermann, 1993, S. 27):

  • Innenrotation der Oberarme im Schultergelenk (besonders um das Hochhalten des Ellenbogen zu gewährleisten).
  • Beugung und Streckung des Ellenbogengelenks (für Abdruck beim Kraulschwimmen).
  • Adduktion im Schultergelenk (zum Heranführen der Arme an den Oberkörper).
  • Streckung im Kniegelenk (für die Antriebsphasen der Beinbewegung essentiell).
  • Beugung der Hüfte (ebenfalls für die Antriebsphasen der Beinbewegung essentiell).

Hauptbeteiligte Muskeln sind: breiter Rückenmuskel, großer Rundmuskel, dreiköpfiger Armstrecker, Unterschulterblattmuskel, großer Rundmuskel, breite Rückenmuskel, großer Brustmuskel, Handgelenks- und Fingerbeuger, Ellenbogenstrecker, Bein- und Fußgelenkstrecker (vgl. Freitag, 1977, S. 149-150). Besonders wichtig ist die Schultermuskulatur, denn vor allem beim Kraulen werden die Innenrotatoren der Schultermuskulatur gefordert. Um eine Stabilität zu gewähren ist es immer wichtig die Gegenspieler in dem Fall die Außenrotatoren zu trainieren. (vgl. Haug, 2016, S. 74) Beim Training der sogenannten Rotatorenmanschette, also die Muskulatur zur Stabilität der Schulter, sind Zugseile oder Therabänder gut geeignet, da mit ihnen die Technik des Schwimmens am besten nachempfunden werden kann. Übungen für die Schulter können sein: Seitheben, Rückheben, Frontheben, Schulterheben. (vgl. Tarpinian, 2007, S. 159-162)

Die Verbesserung dieser Bewegungen ist vor allem durch gezieltes Trainieren von Beweglichkeit und Kraft der beteiligten Muskeln möglich (vgl. Spikermann, 1993, S. 28). Neben des Trainings der beteiligten Muskulatur, sollte ein Rumpfkrafttraining im Trainingsplan Platz finden, da der Rumpf dafür sorgt, dass die Arme und Beine den Vortrieb erzeugen können und den Körper in seiner Haltung lässt (vgl. Gasper, 2009, S. 104). Außerdem sollte auf die Vermeidung von muskulären Dysbalancen geachtet werden um vor allem die sogenannte „Schwimmerschulter“ zu vermeiden. (vgl. Madsen, Reischle, Rudolph, Wilke, 2014, S. 156)

Krafttraining

An dieser Stelle soll kurz betont werden, dass Krafttraining natürlich nicht als alleiniges Training dient. Die Grundlage für Schwimmtraining stellen Ausdauertraining und Techniktraining. Training der Beweglichkeit und Kraft spielen aber dennoch mit ein und sind nicht zu unterschätzen. (vgl. Gasper, 2009, S. 63)

Auswahl Trainingmethode

Die verschiedenen Arten von Krafttraining wurden im obigen Abschnitt „Muskuläre Anpassung durch Aufbautraining“ dargestellt. Beim Schwimmen hat sich das Kraftausdauertraining als Haupttrainingsmethode bewährt. Beim Schwimmen muss wie beschrieben die Kraft über einen längeren Zeitraum verfügbar sein, der Muskel benötigt Kraftausdauer. Das Kraftausdauertraining bringt Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung des Muskels. Beim Training werden viele Wiederholungszahlen mit eher niedriger Belastung durchgeführt. Das Ziel ist es die Kraft der Antriebsmuskulatur zu erhöhen, damit die bezwungene Strecke pro Zug erhöht werden kann. (vgl. Gasper, 2009, S. 63-64) Zum Kraftausdauertraining kann auch ein Maximalkrafttraining mit der Langhantel dazu kommen, dieses sollte aber nicht dominieren und nicht unreflektiert angewendet werden. Schwierigkeiten beim Maximalkrafttraining können unter anderem durch die zu große Muskelmasse entstehen, die wiederum Auswirkungen auf den Widerstand und die Feinmotorik im Wasser haben. (vgl. Madsen, Reischle, Rudolph, Wilke, 2014, S. 164-165)

Training an Land und im Wasser

Das Krafttraining kann an Land und im Wasser erfolgen und sollte aus einer Kombination aus beidem bestehen. Beim Landtraining besteht der Vorteil, dass mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet werden kann, was im Wasser durch den Auftrieb und die so entstehende Entlastung nicht vorhanden ist. Beim Landtraining ist zu beachten, dass die Kraft die an Land erbracht werden kann nicht gleichgesetzt werden darf, mit der Kraft die entsprechend im Wasser aufgebracht wird. Bei der Auswahl der Übungen sollten Komplexübungen, bei denen mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beteiligt sind, bevorzugt werden, da diese eine Zeitersparnis von Vorteil haben, mit dem eigenen Körpergewicht durchzuführen sind und automatisch die Rumpfmuskulatur mit einbeziehen. (vgl. Madsen, Reischle, Rudolph, Wiit, 2014, S. 156-157)

Auch das Training im Wasser ist wichtig, da bei keiner Übung an Land exakt die Bedingungen des Wassers nachempfunden werden können. Beim Training im Wasser, sollte die Wettkampfübung an sich geübt werden. Hierbei kann eine Erhöhung des Widerstandes mit einbezogen werden. Dabei verringert sich die Bewegungsgeschwindigkeit und die Belastung erhöht sich. Die Belastung darf jedoch nicht zu hoch sein, da bei zu hoher Belastung die Gefahr besteht, dass die Bewegung nicht mehr exakt ausgeführt wird. Die zu hohe Aktivierungsphase der Bewegung bedeutet, dass die Muskeln zu wenig Erholung bekommen und sich der Stoffaustausch verlangsamt. Es entsteht das Umschalten von der aeroben zu anaeroben Energiebereitstellung, die beim Kraftausdauertraining nicht gewollt ist. Beim Training im Wasser eignen sich zur Vergrößerung der Antriebsfläche Flossen, Bretter oder Schleppwiderstände und Bremshosen zur Erhöhung des Widerstandes. Bei der Vergrößerung der Antriebsfläche verbessert sich der Wirkungsgrad, da die Antriebsbedingungen verbessert werden und ein geringerer Energieaufwand die Folge ist. (vgl. Madsen, Reischle, Rudolph, Wiit, 2014, S. 163)

<note tip>Beim Training werden dem Körper Reize gegeben, denen er sich anpassen soll. Diese Reizintensität muss gut gewählt werden, damit der Körper reagiert aber nicht überfordert ist. In den Trainingsphasen kann dieser Reiz durchaus über einen gewissen Zeitraum erhöht sein um in den Regenerationsphasen eine gute Anpassung zu erzielen. Die Belastungen dürfen aber nicht zu hoch sein. (vgl. Gasper, S. 57) </note> <note>Zusammenfassend lässt sich zum Krafttraining beim Schwimmen noch einmal die Säulen Einteilung von Lang nennen. Zur Planung des Trainings müssen alle drei Säulen beachtet werden. Zum einen die Säule der beteiligten Muskulatur, die beim Krafttraining gezielt trainiert werden soll. Zum Anderen die Säule der konditionellen Anforderung, die bei der Muskulatur beim Schwimmen auf ein Kraftausdauertraining hinweist und nicht zuletzt die dritte Säule, die individuellen Voraussetzungen des Sportlers. Je nach Körperbau, privaten Anforderungen, Alter, Leistungsstand und vor allem je nach sportlichen Zielen kann ein Training geplant werden.</note>

verfasst von Selina Groll

Zusammenfassung und Ausblick

In diesem Wiki wurde die Wichtigkeit von Krafttraining im Schwimmsport dargestellt. Dazu wurden die Grundlagen des Muskels aufgezeigt und die Anpassungsfähigkeit von Muskeln erklärt. Auf der Grundlage der verschiedenen Typen von Muskelaufbautraining wurde das Muskelaufbautraining im Schwimmsport zugeordnet. Die schwimmspezifischen Anforderungen geben vor, wie das Training optimal gestaltet werden kann. So spielt beim Schwimmsport das Kraftausdauertraining eine große Rolle.

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verfasst von Julian Raschke und Selina Groll

Fazit

Abschließend kann festgehalten werden, dass ein auf die Sportlerin bzw. den Sportler abgestimmtes Muskelaufbautraining unabdingabr ist, um Höchstleistungen erzielen zu können. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass dies nicht allein ausschlaggebend ist. Auch andere Parameter, sei es ein effizienter Startsprung, die korrekte Lage im Wasser oder die Ausführung der Technik, spielen eine große Rolle im Schwimmsport. Erst ein perfektioniertes Zusammenspiel all dieser Faktoren ermögicht es den Sportlerinnen und Sportlern Spitzenleitungen zu erbringen.

verfasst von Julian Raschke

Fragen

<spoiler | 1. Frage: Die Ursache von Muskelkater ist bisher nicht abschließend geklärt. Auslöser und Symptome jedoch schon. Innerhalb welches Zeitraumes ist Muskelkater meistens spürbar und welche auslösenden Faktoren können genannt werden (mindestens drei)?> Im Allgemeinen tritt Muskelkater nach ungewohnt starker Belastung der Muskulatur auf. Die Beschwerden erreichen bis zu 72 Stunden nach Beendigung des Trainings ihren Höhepunkt und bilden sich zumeist innerhalb einer Woche zurück. Auslösende Faktoren können sein:


  • Training nach Verletzung, Urlaub oder Trainingspause
  • Besonders intensive Belastungen (Tests, Wettkämpfe)
  • Koordinativ anspruchsvolles Training
  • Ungewohnte Bewegungs- und Belastungsabläufe
  • Ermüdende, lang andauernde Belastung

</spoiler>

<spoiler | 2. Frage: Inwiefern können Muskelfasern durch Trainung beeinflusst werden? Worauf basiert der Auf- bzw. Abbau von Muskelzellen?> Muskelfasern können nach Berschin folgender Maßen auf Training reagieren:


  • Änderung des Muskelfasertyps
  • Faserneubildung bzw. Faserteilung
  • Muskelfaserhypertrophie
  • Faserabbau


Muskelauf- und Muskelabbau geschieht infolge hormoneller Prozesse, die zum einen durch die mechanischen Belastungen der Muskulatur während des Trainings, und zum anderen durch die in der Muskelzelle bei und nach dem Training stattfindenden Stoffwechselvorgänge ausgelöst werden. </spoiler>

<spoiler | 3. Frage: Welchen Einfluss hat das Muskel-Gelenk-System auf das Krafttraining?> Durch das Muskel-Gelenk-System sind an einer Bewegung meistens mehrere Gelenke und daher auch mehrere Muskeln beteiligt. Aufgrund dessen muss zwischen der grundsätzlichen Kraftfähigkeit eines Muskels und der Kraftfähigkeit einer Bewegung differenziert werden. </spoiler>

<spoiler | 4. Frage: Welche drei Hauptaufgaben bestimmen laut Lang sportspezifische Anforderungen an ein Training?>

  • die beteiligten Muskeln
  • konditionelle Anforderungen
  • individuelle Voraussetzungen

</spoiler>

<spoiler | 5. Frage: Nenne drei Bewegungen, die beim Schwimmen benötigt und daher trainiert werden sollten>

  • Innenrotation der Oberarme
  • Beugung und Streckung des Ellenbogengelenks
  • Adduktion Schultergelenk …

</spoiler>

Literatur

Berschin, G. (2012). Handbuck Muskelaufbau. Grundlagen, Programme, Spezialtraining. Berlin: KVM-Der Medizinverlag.

Freitag, W. (1977). Schwimmen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH.

Gasper, A. (2009). Die 100 besten Tipps für Schwimmer. Hamburg: Spomedis GmbH.

Haug, A. (2016). Olympische Distanz. Effizient trainieren mit der Profi- Strategie. Hamburg: spomedis GmbH.

Lang, M. (2011). Muskelaufbau für Sportler. Gezieltes Training für Tennis, Ballsport, Ski alpin & Co. . München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG.

Lucius, R.; Schwegler, J. (2011). Der Mensch. Anatomie und Physiologie. Stuttgart: Thieme Verlag.

Spikermann, M. (1993). Krafttraining für Schwimmer. Bockenem: Sport Fahnemann.

Tarpinian, S. (2007). Schwimmtraining für Triathleten und Langstreckenschwimmer. Betzenstein: Sportwelt Verlag Nicole Luzar.

Wick, D. (2005). Biomechanische Grundlagen sportlicher Bewegung. Balingen: Spitta Verlag.

Witt, M. (2014). Krafttraining des Schwimmers. In: Madsen, Reischle, Rudolph und Wilke (Hrsg.). Wege zum Topschwimmer. Band 3 Hochleistungstraining. Schorndorf: Hofmann-Verlag.

Abbildungsverzeichnis

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biomechanik/projekte/ws2016/wp1609.txt · Zuletzt geändert: 22.02.2017 22:20 von Filip Cengic
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