FMP1413 Akt-Stat Dehnung

Title Aktiv-Statisches Dehnung und Kraftausdauer
Veranstaltung Forschungsmethoden II
Leitung Prof. Dr. phil. Andre Seyfarth
Betreuung Martin Grimmer
Autoren Änna Paker, Nandi Hoko, Lena Wickert & Tobias Strack
letzte Bearbeitung 02.09.2014 21:59 TS

1. Einleitung

Könnte ein Ermüdungszustand im Kraftausdauersport durch ein ativ-statischs Dehnprogramm verzögert werden? Wäre dies eine geeignete Methode für den Radfahrer oder Läufer, der seine Kraftkonzentration über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten oder verbessern möchte?

Diesen spannenden Fragen soll in der vorliegenden Forschungsarbeit auf den Grund gegangen werden. Dabei wird anhand einer Messreihe von vier Probanden am Isomed 2000 untersucht, welche Effekte eine aktiv-statische Dehnung auf die Kraftausdauerleistung haben.

Folgende Forschungsfrage ist maßgeblich für unsere Untersuchungen: Inwiefern kann die aktiv-statische Dehnung die Kraftausdauerleistung beeinflussen? Wirkt sich dies Dehnmethode Leistungshemmend- oder Leistungsfördernd aus? Ziel dieser Untersuchung ist es dem Sportler oder der Sportlerin mögliche positive oder negative Effekte des aktiv-statischen Dehnens im Zusammenhang mit der Kraftausdauerleistung aufzuzeigen, damit das Kraftausdauertraining beispielsweise im Radsport effizienter gestaltet werden kann.

Die Arbeit reiht sich dabei in ähnliche Forschungsarbeiten zum Kraftausdauersport ein. Zu nennen wäre die Dimensionsanalytische und trainingswissenschaftliche Untersuchung „Kraftausdauer als Erscheinungsform des Kraftverhaltens” von Jürgen Nicolaus (1995), die Untersuchung von Thienes (2003) „Einfluss interserieller Beweglichkeitsübungen auf die Kraftausdauer“ sowie die Arbeit von Wilson, Jacob M. at al. (2010) „Effects of Static Stretching on Energy Cost and Running Endurance Performance.” Im Forschungsdiskurs war man lange der Meinung, dass statisches Dehenen negative Auswirkungen auf Kraftausdauersportarten hat, da Dehnung generell den Muskeltonus senkt.

Wir erwarten, dass sich unsere Forschungsergebnisse in die jüngsten Untersuchungen von Wilson at al (2010) einreihen wird, der mit seiner Studie zur neuen Erkenntnis gelangte, dass statische Dehnung vor dem Laufen (30-60 Minuten Laufzeit) zumindest die Ausdauer um ca. 3% erhöhen kann und damit eine weitere Distanz überwunden werden kann, als ohne statische Vordehnung (vgl. Wolters Kluwer Health, 2010; vgl. Wilson at al., 2010.). Ähnliches erwarten wir für unsere Untersuchung am Isomet 2000. Falls sich die Kraftausdauer, gemessen an der Maximalkraft des Beinstreckers mit hoher Übungswiederholungszahl, nach der statischen Dehnung verbessert, können dies ebenso Erkenntnisse sein, die eine neu Orientierung in der Forschung vorantreibt.

Im Folgenden werden zunächst die Begriffe Kraftausdauer, statisches Dehnen und aktiv-statisches Dehnen erklärt, danach werden die Hypothesen vorgestellt, nach denen sich die Untersuchung ausrichtet.

2. Begriffserklärung und Hypothesen:

Kraftausdauer:

„Die Kraftausdauer ist eine konditionelle Fähigkeit, die bei sich wiederholenden Bewegungen mit Kraft- und Ausdaueranforderungen eine möglichst hohe Impulssumme in einer gegebenen Zeit gegen höhere Lasten garantiert.“ (Zit. nach Schurr, 2005, S. 32). Die Kraftausdauer ist sowohl von der Maximalkraft und dem energetischen Ermüdungszustand abhängig (vgl. Schurr, 2005, S. 41). Die Kraftausdauer kann bei lang andauernden Kraftleistungen bestimmt werden, wobei der prozentuale Kraftabfall nach einer definierten Zeitspanne mit maximalem Krafteinsatz gemessen wird. Wenn nach dieser Zeitspanne eine möglichst hohe Kraftleistung in Relation zur maximal vorgegebenen Kraft erbracht werden kann, ist die Kraftausdauer am größten. Die Maximalkraft ist bei der Ausprägung der Kraftausdauer eine wichtige Leistungsbestimmende Größe. Des Weiteren Sollte zur Ausbildung der Maximalkraft eine Intensität von ca. 50-60% des Kraftmaximums erreicht werden, die in einer langsam bis zügigen Bewegungsgeschwindigkeit mit 20-40 Wiederholungen pro Serie ausgeführt werden (vgl. ebd. S. 41).

Statisches Dehnen: Der zu dehnende Muskel wird langsam in eine Dehnposition gebracht und in dieser für einige Sekunden gehalten.

Aktiv-Statisches Dehnen: Der Agonist wird durch Kontraktion in die Dehnstellung gebracht und dort für einige Zeit gehalten.

Hypothesen:

  • H1: Die Kraftausdauer wirkt sich durch ein aktiv-statisches Dehnen zwischen drei Serien positiv auf die Leistung aus.
  • H2: Das aktiv-statische Dehnen zwischen drei Serien wirkt sich hemmend auf die Kraftausdauerleitung aus.
  • H3: Die Kraftausdauerleistung wird durch das aktiv-statische Dehnen zwischen drei Serien nicht beeinflusst.

3. Methoden

Ablauf der Messung beschreiben:

8:00 Uhr Eintreffen der Probanden

8:15 Uhr Einweisung in unser Themengebiet

8:30 Uhr Einstellung der Probandenwerte bei dem Isomed 2000

8:35 Uhr

JK führt Zielbewegung, mit dem rechten Bein und danach mit dem linken Bein ohne aufwärmen aus

  • Der Proband wird sich nun 8 Minuten auf dem Laufband erwärmen.

8:50 Uhr

JK wird nach der Erwärmung wieder das rechte und danach das linke Bein mit der gleichen Bewegungsausführung und Wiederholungszahl ausführen.

  • Dem Proband wird erklärt, welche Dehnposition er einnimmt und auf welche Weise er das Dehnprogramm ausführen soll. JK dehnt sein rechtes Bein

9:03 Uhr

Bei JK wird nach der Dehnung erneut die Kraftausdauer mit gleicher Wiederholungszahl und Bewegungsausführung getestet.

8:41 Uhr

SM führt Zielbewegung, mit dem rechten Bein und danach mit dem linken Bein ohne aufwärmen aus.

  • Der Proband wird sich nun 8 Minuten auf dem Laufband erwärmen.

8:55 Uhr

SM wird nach der Erwärmung wieder das rechte und danach das linke Bein mit der gleichen Bewegungsausführung und Wiederholungszahl ausführen.

  • Dem Proband wird erklärt, welche Dehnposition er einnehmen soll und auf welche Weise er das Dehnprogramm ausführen soll. SM dehnt sein linkes Bein

9:12 Uhr

Bei SM wird nach der Dehnung erneut die Kraftausdauer mit gleicher Wiederholungszahl und Bewegungsausführung getestet.

9:21 Uhr

MS führt Zielbewegung, mit dem rechten Bein und danach mit dem linken Bein ohne aufwärmen aus

  • Der Proband wird sich nun 8 Minuten auf dem Laufband erwärmen.

9:33 Uhr

MS wird nach der Erwärmung wieder das rechte und danach das linke Bein mit der gleichen Bewegungsausführung und Wiederholungszahl ausführen.

  • Dem Proband wird erklärt, welche Dehnposition er einnehmen soll und auf welche Weise er das Dehnprogramm ausführen soll. MS dehnt sein rechtes Bein

9:41 Uhr

Bei MS wird nach der Dehnung erneut die Kraftausdauer mit gleicher Wiederholungszahl und Bewegungsausführung getestet.

9:51 Uhr

LW führt Zielbewegung, mit dem rechten Bein und danach mit dem linken Bein ohne aufwärmen aus.

  • Die Probandin wird sich nun 8 Minuten auf dem Laufband erwärmen.

10:03 Uhr

LW wird nach der Erwärmung wieder das rechte und danach das linke Bein mit der gleichen Bewegungsausführung und Wiederholungszahl ausführen.

  • Der Probandin wird erklärt, welche Dehnposition sie einnehmen soll und auf welche Weise sie das Dehnprogramm ausführen soll. LW dehnt ihr linkes Bein

10:13 Uhr

Bei LW wird nach der Dehnung erneut die Kraftausdauer mit gleicher Wiederholungszahl und Bewegungsausführung getestet.

Probanden beschreiben (Alter, Geschlecht, Gewicht, Sportart, Größe)

  1. Kneer, Kevin /22/Männlich/——-/——/—–
  2. Sascha Müller/21/Männlich/85,5 kg/Fußball/1, 96
  3. Maximilian Schmidt/22/ Männlich/ —–/ Fußball/ —–
  4. Lena Wickert/25/ Weiblich/ —-/ Laufen, Schwimmen/ 1,70

Messinstrumente beschreiben: Isomed 2000

Verfahren und Vorgehen erläutern:

1. Eintreffen der Probanden

2. Uhr Einweisung in unser Themengebiet

3. Einstellung der Probandenwerte bei dem Isomed 2000

4. Proband führt Zielbewegung, mit dem rechten Bein, ohne aufwärmen aus:

  • 20 Wiederholungen/ konzentrisch-konzentrisch
  • das Gleiche wiederholt er mit dem linken Bein

5. Der Proband wird sich nun 8 Minuten auf dem Laufband erwärmen

  • Auf mittlerer Stufe

6. Nach der Erwärmung wird nun wieder das rechte und danach das linke Bein mit der gleichen Bewegungsausführung und Wiederholungszahl getestet

7. Nun wird dem Probanden erklärt, welche Dehnposition er einnehmen soll

  • Es wird eine aktiv-dynamische Dehnung der Oberschenkel- (ischiocrualen) Muskulatur durchgeführt
  • Durchführung jeweils nur an einem Bein (links oder rechts)
  • Ausführungsdauer: 20 Sek.
  • Pause: 30 Sek.
  • 3 Serien

8. Nach der Dehnung wird erneut die Kraftausdauer mit gleicher Wiederholungszahl und Bewegungsausführung getestet. Dieser Vorgang wird mit allen vier Probanden mit gleichem Ablauf durchgeführt.

4. Ergebnisse

Die folgenden Abbildungen zeigen die Veränderung wärend unseres Versuches. Ein Beispiel für die Beschriftung der Diagrame:

  • L_KK_ND = Links_Kneer Kevin_ Nach dem Dehnen
  • R_KK_ND = Rechts_Kneer Kevin_ Nach dem Dehnen

Versuchsperson 1: Kneer Kevin

Abb.1 L_KK_ND
Abb.2 R_KK_ND

Versuchsperson 2: Müller Sascha

Abb.3 L_MS_ND
Abb.4 R_MS_ND

Versuchsperson 3: Schmidt Maximilian

Abb.5 L_SM_ND
Abb.6 R_SM_ND

Versuchsperson 4:Wickert Lena

Abb.7 L_WL_ND
Abb.8 R_WL_ND

Hier nun die komplette Versuchsauswertung:

4. Diskussion

Bei dem Forschungsprojekt nahmen vier Probanden Teil. Diese waren sowohl männliche als auch weibliche Teilnehmer. Die Messwertergebnisse der Kraftausdauerleistung können aufgrund der Geschlechterunterschiede Abweichungen aufzeigen. Was jedoch nicht das Ergebnis der Forschungsfrage beeinflussen sollte. Die Versuchsteilnehmer waren zudem alle Sportstudenten.

Zur Erfassung der Messwertergebnisse der Kraftausdauerleistung nutzen wir den Isomed2000. Anhand des Isomed2000 können die Kräfte von verschiedenen Muskelgruppen erfasst werden, sowie die Gegenspieler der Muskelgruppen. Ebenso kann eine Auswertung der Kraftausdauerleistung ermittelt werden mithilfe des Isomed2000.

Die Versuchsdurchführung ergab, dass die Kraftausdauerleistung nach dem aktiv- dynamischen Dehnen, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite, eine erhöhte Leistung bei zwei von vier Probanden gemessen wurde. Aus den Messwerten der zwei Probanden ist eine erkennbare Steigerung der Kraftausdauerleistung abzulesen. Somit reiht sich unser Forschungsergebnis nicht vollständig bei den Forschungsergebnissen von Wilson mit ein. Womit sich auch die Hypothese, dass das aktiv-dynamische Dehnen sich positiv in drei Sätzen auf die Kraftausdauerleistung auswirkt, nur teilweise bestätigt werden kann. Die unterschiedlichen Ergebnisse der Probanden, kann eventuell darauf zurückgeführt werden, dass diese sich nicht alle in einem vollständig ausgeruhtem Zustand befanden. Zudem ist ein Proband nicht aufgetaucht. Womit wir eine Versuchsperson aus der eigenen Projektgruppe teilnehmen lassen mussten. Weitere Methodische Einschränkungen die sich ergaben, waren zudem auch die geringen Probandenanzahl von n = 4. Ebenso problematisch war das Fehlen der Messergebnisse der Flimmerverschmelzungfrequenz, welches zu dem Zeitpunkt der Versuchsdurchführung defekt war. Aufgrund der Kritikpunkte der Methodik sollte auch die Aussagekraft der Hypothese eingeschränkt werden.

5. Zusammenfassung und Ausblick

Könnte ein Ermüdungszustand im Kraftausdauersport durch ein ativ-statischs Dehnprogramm nun verzögert werden? Könnte der Läufer oder Radfahrer seine Leistung durch statisches Dehenen nun aufrechterhalten oder verbessern? Diese Fragen können wir anhand unserer Messergebnisse nur mit Einschrenkungen beantworten. Ziel unserer Untersuchung war es positive bzw. negative Einflüsse des aktiv-statischen Dehnens im Zusammenhang mit der Kraftausdauerleistung aufzuzeigen. Bei zwei von vier Probanden hat sich eine Verbesserung der Kraftausdauerleistung bestätig. Das Ergebnis könnte allerdings auf die genannten Messfehler (siehe 4. Diskussion) zurückzuführen sein. Eine Leistungsminderung hat sich durch die aktiv-statische Dehnung für die Kraftausdauerleistung nicht bestätigt.

Um valide Ergebnisse vorweisen zu können, die der Verbesserung des Kraftausdauertrainings der Sportlerinnen und Sportler dienen könnte, sollten erneute Messungen mit höheren Probandenzahlen angesetzt werden. Ebenso wäre eine Validität gegeben und Gegenüberstellung der Probandenergebnisse möglich, wenn man die Geschlechter zukünftig getrennt misst. Weiterführend könnten Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern aufgezeigt werden.

6. Literatur

  • Freiwald, Jürgen (2013): Optimales Dehnen. Sport-Prävention- Rehabilitation. Balingen: Spitta.
  • Springer, Hans/ Illi, Urs/ Kunz, Hans-Ruedi/ Röthlin, Karl (Hrsg.) (1992): Dehn-und Kräftigungsgymnastik. Stuttgart: Georg Thieme Verlag
  • Klee, Anderas & Wiemann, Klaus; Bewegungskompetenzen. Beweglichkeit und Dehnfähigkeit. Schorndorf: Hoffmann.
  • Stretching ist gesund. So lautet die allgemeine Volksweisheit. Öfter hört man jedoch auch, dass das Dehnen ganz außer Acht gelassen werden kann. Es mache keinen Unterschied, so Christiane Wilke von der Deutschen Sporthochschule Köln, ob gedehnt werde oder nicht! ( Vgl. Spiegel.de URL: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/stretching-dehnuebungen-fuer-die-muskeln-sind-nicht-immer-sinnvoll-a-915065.html, Stand 06.05.2014)
  • Thienes Gerd. (2003). Einfluss interserieller Beweglichkeitsübungen auf die Kraftausdauer. Spectrum, (15), Heft 1, Seite 71. Zugriff am 27.05.2014 unter http://spt0010a.sport.uni-oldenburg.de/PDF/THIENESTEXT.PDF
fm/ps_fometh2/ss2014/fmp1413.txt · Zuletzt geändert: 18.12.2014 11:16 von Dario Tokur
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