MLBM 2205 Motorisches Lernen und Abhängigkeit vom Alter

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Modul-Titel MLBM 2205
Veranstaltung Motorisches Lernen
Autor Felix Kuhl, Aron Hernandez Rivero & Matthias Tichy
Bearbeitungsdauer 45 Minuten
Präsentationstermin 11.07.2022
Status in Bearbeitung
Zuletzt geändert 24.05.22

Einleitung

Unter motorischem Lernen versteht man das Erlernen eines Bewegungsablaufs um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, welches bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu erreichen war (z.B. einen Aufschlag beim Tennis, das fangen eines Balles, schwimmen, erlernen einer neuen Sprache usw.). Auch das bewusste und unbewusste Verbessern eines bereits erlernten Bewegungsablaufs fällt unter die Begrifflichkeit des motorischen Lernens (Hossner & Künzell, 2003, S.131-133).

Für Lebewesen ist motorisches Lernen ein ständiger Prozess, da er uns dabei Hilft sich an die Umgebung und neue Situationen anzupassen. Somit bildet motorisches Lernen einen wichtigen Faktor in unserer evolutionären Entwicklung. Vornehmlich wird Motorisches Lernen von unseren Sinnesorganen gesteuert, da es, um einen neuen Bewegungsablauf zu lernen bzw. zu verbessern, eine ständige Überprüfung braucht, ob man auf dem korrekten Weg zum Ziel ist. Dies wird vor allem durch unsere Wahrnehmung gewährleistet. Doch auch eine mentale Repräsentation des Bewegungsablaufs spielt dabei eine wichtige Rolle (Hossner & Künzell, 2003, S.138-141).

Der Großteil des Erlernen neuer Bewegungsabläufe findet als Baby statt. So muss ein neugeborenes Kind um mit seiner Umwelt agieren zu können, alle Bewegungsabläufe, welche keine Reflexe darstellen, erlernen. Motorisches Lernen erfolgt hier zuerst über willkürliche Bewegungen die Ziellos sind. Durch zufälliges Interagieren mit der Umwelt werden Zusammenhänge zwischen den eigenen Bewegungen und Zielen hergestellt, die in Folge über Wiederholungen trainiert und vertieft werden. Des weiteren erfolgt motorisches Lernen durch Imitation, Ausprobieren oder Instruktion dritter. Mit zunehmendem Alter und dem Wachstum des Körpers müssen erlernte Bewegungsabläufe ständig geupdatet werden, da eine veränderte Körpergröße eine veränderte Koordination der Bewegungsabläufe erfordert (Haibach et al., 2011, S.115-133).

Biologische Aspekte des motorischen Lernens

Der Grund der es Lebewesen überhaupt ermöglicht Bewegungsabläufe zu erlernen, stellt die Neuroplastizität und die biochemischen Eigenschaften unseres Gehirns dar. Die Aktivierung eines jeden Muskels geht stets vom Gehirn bzw. dessen Nervenzellen aus. Somit werden hier die Stärken einer Muskelkontraktion, sowie die Dauer bestimmt.

Um Motorisches Lernen in seiner Gesamtheit erfassen zu können, bedarf es einer gewissen Expertise in den biologischen Grundlagen unseres Bewegungsapparats, wie etwa dem Aufbau und der Funktionalitäten von Nerven und der verbundenen Muskulatur.

Nervensystem

Beim Aufbau des Nervensystems von Lebewesen unterscheidet man zwischen dem zentralen Nervensystem und dem peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem setzt sich aus Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm und Rückenmark zusammen, wobei das periphere Nervensystem durch alle Nerven die sich außerhalb des zentralen Nervensystems befinden, gebildet wird.

Die Nervenzelle bildet den zentralen Baustein des Nervensystems. Sie kann je nach Aufgabe eine variierende Form besitzen. Der Aufbau einer Nervenzelle ist jedoch immer der Gleiche. Die Nervenzelle setzt sich aus Zellkern (Nucleus) dem Zellkörper (Soma), Dendriten, Axon und Synapsen zusammen. Die Information und Reizweiterleitung einer jeden Nervenzelle wird durch die Dendriten, Axon und Synapsen gewährleistet. Das Axon endet an Dendriten anderer Nervenzellen, wobei die Verbindung über die Synapsen und den synaptischen Spalt stattfindet. Hier werden durch biochemische Prozesse Aktionspotenziale generiert wodurch es zu einer Reizweiterleitung kommen kann. Da jedes Aktionspotenzial gleich ist, wird die zu übertragene Information über die Aktionspotential Frequenz codiert. Die Dendriten einer jeden Nervenzelle können mit einer Vielzahl anderer Zellen verknüpft sein. Dadurch kann ein Aktionspotential einer Nervenzelle an viele andere Nervenzellen weitergegeben werden (Zigmond et al., 1999).

Für Bewegung sind, vor allem, sogenannte Motorneurone verantwortlich. Das Zielgebiet dieser Neuronen sind keine anderen Nervenzellen, sondern Muskelfasern. Findet eine Reizweiterleitung eines Motorneurons auf eine Muskelfaser statt, so kommt es zur Muskelkontraktion. Wenn wir einen Bewegungsablauf ausführen ist dies einzig und allein einer Vielzahl an Motorneuronen zu verdanken, welche millionenfach Muskelfasern so kontraktieren, dass ein bestimmter Bewegungsablauf das Resultat ist.

Abb. 1 & 2

Steuerung einer Bewegung

Um ein gewisses Ziel mit einer Bewegung zu erreichen, bedarf es einer ausführlichen Planung dieser. Ein Bewegungsablauf besteht aus vielen kleinen, unserem Gehirn meist bekannten, Bewegungen. Wenn wir einen komplexen Bewegungsablauf ausführen, so setzt unser Gehirn diesen aus den kleinen Bewegungsbestandteilen zusammen. Da die absolvierten Teilschritte andauernd mit dem Ziel verglichen werden und an die Bedingungen der jeweiligen Situation angepasst werden, ist ein Bewegungsablauf sehr selten zu 100% der Gleiche. Diese Aufgabe des zusammensetzen der Teilbewegungen, sowie das ständige Updaten der Anpassung an die jeweilige Situation, übernimmt vornehmlich das Großhirn (Schmidt et al., 2018, S. 129-156).

Jede Bewegung beginnt in einem Teil des Großhirns, welcher der Motor Cortex genannt wird. Zum einen werden von hier die Motorneuronen im Rückenmark aktiviert und zum anderen Impulse zu Strukturen im Kleinhirn gesendet, welche dafür zuständig sind, zu kontrollieren, ob die Bewegung korrekt ausgeführt wird. Wenn durch motorisches Lernen nun eine Bewegung verändert wird, ist es wichtig dass diese Strukturen im Kleinhirn entsprechend angepasst werden. Dies geschieht über Rückkopplung und einer mit eingehenden Modifikation der betroffenen Nervenzellen (Schmidt et al., 2018, S. 129-156).

Anpassung durch Lernen

Beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe und/ oder bei der Verbesserung eines bestehenden Bewegungsablaufes, bedarf es einer aktiven Entscheidung des ausführenden Lebewesens. In diesem Fall kommt es auch hier zur Anpassung von Nervenzellen, um diese Entscheidung und die einhergehende Veränderung des Bewegungsablaufs in den aktuellen Bewegungsablauf einfließen zu lassen. Soll ein Bewegungsablauf dauerhaft geändert werden, wie es um etwas zu lernen notwendig ist, so bedarf es einer Modifikation der DNA im Zellkern der Nervenzellen, welche für den Ablauf und Kontrolle des Bewegungsablaufs zuständig sind. Dies geschieht über eine Reihe von sehr komplexen biochemischen Prozessen, wie etwa dem öffnen und schließen von Ionenkanälen auf der Zellmembran der Nervenzelle und der damit verbundenen Aktivierung gewisser Intrazellulärer Proteine (Bourdreau et al., 2010).

Im Motor Kortex ist diese Veränderung von Nervenzellen gut erforscht. Wenn Bewegungen wiederholt ausgeführt werden, kommt es einerseits zu einer Vergrößerungen betroffener Neuronen und andererseits zu Neuverknüpfungen mit benachbarten Neuronen, welche diese Bewegung auslösen können. Prinzipiell unterschiedet man hier zwischen 2 Stufen. In einer ersten frühen Lernstufe, kommt es zu einer sehr schnellen Verbesserung der Bewegungsausführung nach bereits wenigen Übungen und somit zu einer schnellen Veränderung in betroffenen Nervenzellen. In der zweiten langsameren Stufe, kommt es erst nach mehreren Wochen von Wiederholungen des Bewegungsablaufs zu Lernfortschritten bzw. Nervenzellen Modifikationen (Bourdreau et al., 2010).

Motorisches Lernen im Kindesalter

Erklärungsmodelle der Bewegungsentwicklung

Einleitung

Bös und Mechling verstehen unter dem Begriff der „motorischen Entwicklung“ alle Veränderungen der Steuerungs- und Funktionsprozesse in jedem Lebensalter, auf denen Haltung und Bewegung basieren (Baur et al. 2009).

Es gibt einige verschiedene Theorien, welche die Entwicklung der motorischen Kontrolle beschreiben sollen. Ich werde einige davon hier kurz erklären.

Sozialisationstheorie

„Die Entwicklung ist umweltdeterminierte Lerngeschichte: Was und wie gelernt wird, hängt von den Gelegenheiten, Erwartungen und Anforderungen der Umwelt ab. Lernen (als Verhaltensanpassung) und Entwicklung sind identisch“ (Baur et al. 2009).

Handlungstheorie

Allmer (1983) und Baur (1989) betrachteten Motorikentwicklung unter dem Aspekt der Wechselwirkung zwischen Anlage, Umwelt und Individuum. Allmer Ausdruck es so aus: „Die Person entwickelt sich durch Handeln in einer durch Handeln sich verändernden Welt.“

Dieses Handeln vollzieht sich als eine PersonUmwelt-Interaktion, in der sich Person und Umwelt 1.2 Erklärungsmodelle der Bewegungsentwicklung wechselseitig vermitteln. Die Person wird einerseits über das Handeln von der Umwelt beeinfluss, andererseits aber wirkt die Person damit auch auf die Umwelt ein“ (Baur 1994) Nach Singer (1980) sind folgende Faktoren von entscheidender Bedeutung:

  1. kognitive Prozesse
  2. neuronale Entwicklung
  3. physische Merkmale, psychomotorische Fähigkeiten, psychische Eigenschaften und Lernfähigkeit
  4. soziale, kulturelle und familiäre Einflüsse
Systemdynamische

Krombholz beschrieb 1998 das Mehrebenen Strukturmodell zur Erklärung der motorischen Entwicklung. Dieses Modell sollte verschiedene Einflusssysteme berücksichtigen, die auf folgenden unterschiedlichen Ebenen wirksam sind:

  1. Nummerierter Listenpunkt Stufe: Genetische oder erblich bedingte Faktoren
  2. Nummerierter Listenpunkt Stufe: Physiologische Eigenschaften wie Knochen, Muskeln, hirnorganische Strukturen
  3. Nummerierter Listenpunkt Stufe: Verhalten des Individuums
  4. Nummerierter Listenpunkt Stufe: Soziale Umwelt wie Familie und Freunde
  5. Nummerierter Listenpunkt Stufe: Umwelt wie Wohnumgebung und Klima (Krombholz 1998)
    1. Im US-amerikanischen Sprachraum sind diese systemdynamischen Ansätze schon seit den 1980er-Jahren aktuell und zeichnen sich durch.

Die pränatale motorische Entwicklung

Es bilden sich ganz neue Bewegungsmuster, die sich während der Schwangerschaft entwickeln und sich grundsätzlich krass voneinander Unterschieden. (Herpertz-Dahlmann Et Al. 2007 Prechtl 1974).

Schon vor der Geburt, ab der 5. SSW , wenn sich die myoblasten der Muskelzellen und neuroblasten Nervenzellen zu intakten Strukturen Bilden (Baur Et Al. 2009 ), die ersten Regungen des Embryos offenbaren sich in Form von zucken oder zittern des ganzen Körpers.

Spontane Bewegungen des Rumpfes können Wahrgenommen werden ab der 8. SSW , Wenn motorische Nervenendungen Die Muskelvorläuferzellen der Rumpfmuskulatur Erreichen.

Ab Der 11. SSW Können Nun Glieder Einzeln Bewegt Werden Und Ab Der 13.–18. SSW Hat Die Muskulatur Sich So Weit Entwickelt, Dass Größere Bewegungen Der Glieder Möglich Sind. https://www.youtube.com/watch?v=0CtIIt4_uy4&t=1013s

Kurzfassung der pränatalen motorischen Entwicklung (Geraedts, 2019):

  1. ab der 5. SSW erste reflexartige Regungen des Rumpfes
  2. ab der 8. SSW erweiterung der Rumpfmotorik
  3. ab der 11. SSW können Glieder bewegt werden
  4. ab der 18. SSW erweiterung der Motorik der Glieder

Die motorische Entwicklung in den ersten zwei Lebensjahren

Bei der Geburt ist ein Neugeborenes aus motorischer Sicht ein Mängelwesen, das erst einzelne motorische Fähigkeiten erlernen muss. Bedingt durch noch fehlende Nervenfaserverbindungen, noch nicht ausgereifte motorische Zentren im Gehirn und unterentwickelte Sinnesorgane ist die Motorik auf unbedingte vitale Reflexe (wie Saug-, Such-, Einatmungs- und Schluckreflexe) zur Lebenserhaltung beschränkt. Die Wirbelsäule passt sich noch vollständig der Unterlage an (aktive Instabilität) und ist in den ersten 3 Monaten asymmetrisch nach links oder rechts gebogen, abhängig von der Kopfhaltung. Dennoch ist diese geringe motorisch Basis für eine vollständige motorische Entwicklung völlig ausreichend. Beim Drehen des Kopfes dreht die Wirbelsäule mit, und eine Seite des Rumpfes kann hierbei in voller Länge leicht angehoben werden, wobei gleichzeitig eine Seitwärtsneigung zu beobachten is

Nach einigen Wochen bis Monaten verschwinden die vitalen Reflexe jedoch wieder und weiteres Wachstum des Großhirns und der Großhirnrinde ermöglicht immer mehr die Kontrolle über die angeborene automatische Motorik. Auf Dieser Grundlage Der Reflexmotorik Aufbauend Kann Das Kind Jetzt Lernen, Bewegungen Willentlich Zu Steuern Und Zu Planen; es kann sich auf verschiedene Wege weiterentwickeln

So kann das Kind nach etwa 3 Monaten den Kopf gut zentriert halten; die Wirbelsäule ist nun symmetrisch. Beim Drehen des Kopfes dreht die Wirbelsäule mit, und eine Seite des Rumpfes kann hierbei in voller Länge leicht angehoben werden, wobei gleichzeitig eine Seitwärtsneigung zu beobachten ist. Die Stützfunktionen der Arme und Beine nehmen bei fortschreitender Entwicklung der Kopfmotorik und des Rumpfes zu.

Nach ungefähr 6 Monaten werden die Stellreaktionen durch Gleichgewichtsreaktionen ergänzt: das Kind reagiert auf Lageveränderung des Körperschwerpunktes.

Das erste Lebensjahr ist durch einen vergrößerten Aktionsradius des Neugeborenen gekennzeichnet. Es beginnt die Phase der Aneignung erster koordinierter Willkürbewegungen wie Greifen , Drehen, Rollen, Krabbeln und das Aufrichten als Vorbereitung zum Gehen. Das Kind stellt so aktiv die ersten Kontakte zur Umwelt her. Wichtigste Vorbedingung für das Aufrichten ist der Erwerb einer sicheren Kopf-/Rumpfkontrolle.

Mit durchschnittlich 6–7 Monaten kann sich das Kind auf die Seite, auf den Bauch und vom Bauch zurück auf den Rücken drehen, und mit 10 Monaten krabbeln die meisten Kinder.

Mit einem Jahr kann das Kind als Vorbereitung auf den „Schockwurf“ Gegenstände nach unten werfen, und mit 15–17 Monaten werden die ersten freien Schritte unternommen. Es bewegt sich noch richtig tapsig und im „Ganzer-Fuß-Gang“: der Fuß wird nicht abgerollt, sondern komplett aufgesetzt. Um Kopf und Oberkörper beim Gehen geradeaus zu halten, findet die notwendige Rotation größtenteils in der Hüfte und nur geringfügig in der unteren Brustwirbelsäule statt. Spätestens bis zum 18. Monat haben die meisten normal entwickelten Kinder dieser Welt die Fähigkeit erworben, aufrecht und ohne Hilfe zu gehen. Mit 2 Jahren geht das Kind sicher, und die ersten Laufschritte sind möglich.

Das Gangbild verändert sich fast während des ganzen Lebens. Außerdem kann das Kind jetzt mit einem Löffel umgehen und essen lernen.

Es beginnt nun auch Gegenstände wegzuwerfen, einen kleinen, leichten Ball überhand zu werfen oder einen Ball, nach Aufforderung und gezielt in die Arme geworfen, mit nach vorne ausgestreckten Armen fangen; dabei werden die Arme angewinkelt (Mertens 1999).

▶ In diesem Alter kann Motorik durch alltägliche sensorische (visuelle, auditive und taktile) Reizung und einfache spielerische Fang- und Wurfübungen gefördert werden.

Zusammenfassung

Die Motorische Entwicklung Im Vorschulalter (2 Bis 6 Jahre)

Ab der Mitte des 2. Lebensjahres geht das Kleinkind Treppen hinauf und ab dem 4. Jahr auch hinunter. Beim Werfen eines Gegenstandes wird die Zielausrichtung erkennbar.

Mit 3 Jahren erfolgt der Zehengang; das Kind beginnt nun, mit den Füßchen abzufedern und (auf Matten) zu springen. Das Gleichgewicht zu halten gelingt immer besser, d.h. es kann über breite Linien oder niedrige und höhere Geräte Balancieren. Die Bewegungen Werden Kraftvoller, Schneller Und Im Räumlichen Umfang Größer. Darstellungs- Und Rollenspiele Gewinnen An Bedeutung. Mit 3 Jahren kann das Kind auch laufen, allerdings sind die Phasen, in denen kein Bein den Boden berührt, zunächst recht kurz (Meinel Und Schnabel 2007). (www.youtube.com/watch?v=3qreQysO7gE )

▶ Erst mit 10 Jahren geht das Kind physiologisch „richtig“, es rollt normal ab, folgt einer normalen Spurbreite und hat beim Gehen und Laufen normale Schrittlänge.

Die bisher beschriebene motorische Entwicklung wächst Überwiegend aufgrund des Reifungsprozessen des Gehirns. Ein gezieltes Training bestimmter zusätzlicher motorischer Fertigkeiten über die spontanen Aktivitäten hinaus bietet während dieser Zeit keine sofortigen Vorteile. Ein eventuell durch intensives Üben erreichter Vorsprung wird in kürzester Zeit wieder Zunichte Gemacht(McGraw 1935b; Bower Et Al. 1996; Strassburgh 2015).

• 40-m-Lauf: Steigerung auf 169 % (von 16,6 s auf 9,8 s)
• Standweitsprung: Steigerung auf 244 % (47,6 cm auf 116,7 cm)
• Weitwurf: Steigerung auf 340 % (3,79 m auf 12,9 m)
• Schlagwurf: kann mit 7 Jahren mit Körpereinsatz und mit Anlauf ausgeführt werden
• Fangen: können mit 7 Jahren mit Antizipation fangen und kombinieren mit Werfen
• Springen: mit 7 Jahren sind fortgesetzte Schrittsprünge, Weit- und Hochsprünge (etwa 50 cm) mit Anlauf, Mehrfachsprünge und Freizeitspiele im Springen möglich
Zusammenfassung Kurzfassung der motorischen Entwicklung im Vorschulalter (2 bis 6 Jahre)

Die motorische Entwicklung ab dem Schulalter (6 bis 9 Jahre)

Zusammenfassung Kurzfassung der motorischen Entwicklung ab dem Schulalter (6 bis 9 Jahre)
  1. Wachstumsbedingte Entwicklung der Grobmotorik
  2. Leistungsfähiger, großräumiger, kraftvoller und schneller
  3. Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen
  4. Handlungsorientiertes Denken, braucht zur Korrektur noch Rückkopplung.

Die motorische Entwicklung im späten Kindesalter, Präpubeszenz (9 bis 11 Jahre)

Zusammenfassung Kurzfassung der motorischen Entwicklung im späten Kindesalter (9 bis 11 Jahre)
  1. Logisches und Abstraktes Denken
  2. Optimierung der Koordination
  3. „Motorisches Lernalter“
  4. HaltungHaltungsschule
  5. Rasche Steigerung in Schnelligkeit und Ausdauer
  6. Basis für grobmotorische sportartspezifische Spezialisierungen

Die motorische Entwicklung im frühen Jugendalter, Pubeszenz (11 bis 15 Jahre)

Zusammenfassung Kurzfassung der motorischen Entwicklung im frühen Jugendalter (11 bis 15 Jahre)
  1. „motorische Umstrukturierung“
  2. „Use It Or Lose It“
  3. Vorübergehende Disharmonie Sämtlicher Haltungs- und Bewegungsorgane
  4. Stagnierende Koordination und Steuerung der Motorik
  5. Zunahme der Schnell- und Maximalkraft

Die motorische Entwicklung im späten Jugendalter, Adoleszenz (13 bis 18 Jahre)

Zusammenfassung der motorischen Entwicklung im späten Jugendalter (13 bis 18 Jahre)
  1. verfeinerung und anwachsende Variabilität der Motorik Aufgrund Zunehmender Knochenmasse
  2. Ausgeprägte Geschlechtsdifferenzierung durch geringere Zuwachsraten bei Mädchen
  3. Verdoppelung Der Schnellkraft (Sprunghöhe), Verdreifachung (♀)/Vervierfachung (♂) der Maximalkraft
  4. Maximierung des kraft- und Schnelligkeitstrainings
  5. Erreichen der Maximalen Leistungsfähigkeit

Motorisches Lernen im hohen Alter

Ganz intuitiv geht man davon aus, dass das Erlernen neuer motorischer Fertigkeiten im höheren Alter (>60) stetig schwieriger wird. Doch warum genau ist das so? Als ersten Einflussfaktor sind die physiologischen Veränderungen zu nennen.

Neben dem Abbau an Muskelmasse sind eine verminderte Leistung des Herzens, ein Anstieg des Blutdrucks, sowie eine geringere Lungen/Atemkapazität ganz normale Alterungsprozesse, die ein jeder Körper durchlaufen wird (Boss, Seegmiller 1981). Diese Änderungen haben wiederum unter anderem Einfluss auf Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Geschwindigkeit und koordinativen Skills. Diese Abschwächungen beeinflussen jedoch eher anspruchsvolle Bewegungsabläufe, die Senioren in der Regel vermutlich eher nicht ausführen, geschweige denn neu erlernen. Wie genau sich der schlechtere körperliche Zustand von älteren Menschen auf das Erlernen neuer motorischer Fertigkeiten auswirkt, ist noch nicht vollständig geklärt. Er ist jedoch Grund dafür, dass Senioren komplexe Bewegungen langsamer ausführen als noch in jungen Jahren (Voelcker-Rehage 2008). Abgesehen vom Zustand des Körpers gibt es eine weitaus wichtigere Variable, wenn es um das Erlernen neuer motorischer Fähigkeiten geht. Das Gehirn. Im Verlauf des Älterwerdens durchläuft dieses leider einen ähnlichen Prozess wie der Rest des Körpers. Mit zunehmendem Alter schrumpft das Gehirn. Es kommt zu einer Ausdünnung des Kortex und einem generellen Volumenverlust in den meisten Hirnarealen. Der Volumenverlust beträgt dabei 0,5% - 1% pro Jahr. (Fjell & Walhovd, 2010). Während der Verkleinerung des Hirns kommt es zum Verlust von Nervenzellen, aber auch Nervenfortsätzen. Jenes Absterben von Nerven hat wiederum mehrere alterstypische neurokognitive Veränderungen zur Folge. Davon betroffen sind zum Beispiel, die Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses, „conceptual reasonning“ und die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen. Doch nicht alle kognitiven Funktionen nehmen zwangsweise mit dem Alter ab. Die Fähigkeit, den eigenen Wortschatz auszuschöpfen, bleibt im hohen Alter beispielsweise gleich oder steigt sogar an(Harada, Natelson & Triebel 2013).

Kristalline und Fluide Intelligenz

Kognitive Funktionen lassen sich in aller Regel in eine von zwei Kategorien einordnen. Die Veränderungen innerhalb einer dieser Gruppen weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Es wird unterschieden zwischen kristalliner und fluider Intelligenz. Intelligenz ist zwar ein nicht greifbares Konstrukt, es führt jedoch alle im Leben erlangten kognitiven Fähigkeiten in einem Begriff zusammen und eignet sich daher sehr gut als grober Unterscheidungsbegriff.

Kristalline Intelligenz beschreibt Eigenschaften bzw. Skills, die über die Lebensspanne akquiriert werden und etliche Male von einer Person ausgeübt und dadurch sowohl verfeinert als auch gefestigt werden. Kristalline Intelligenz findet immer dann Anwendung, wenn wir auf bereits gelerntes zurückgreifen müssen, um eine Aufgabe/Problem zu lösen. Neben dem obigen Wortschatz Beispiel fallen ebenfalls Dinge wie Fahrrad fahren oder Lesen unter kristalline Intelligenz. Es hat sich gezeigt, dass Fähigkeiten aus diesem Segment im hohen Alter nicht abnehmen, sondern pro Jahr sogar um 0.02-0.03 Standardabweichungen zum Vorjahr zunehmen können(Salthouse T. 2012).

Das Gegenstück zur kristallinen ist die fluide Intelligenz. Sie umfasst Fähigkeiten wie das Problemlösen von unbekannten Aufgaben, Lernen und zum Beispiel Mustererkennung. Wichtig ist, dass alle diese Skills keinerlei Vorwissen voraussetzen. Fluide Intelligenz ist somit etwas Angeborenes und kann nicht einfach durch große Anstrengung/ Training verbessert werden. Im Folgenden werden einige Fluide Skills näher beleuchtet und erörtern, wie sie sich im Laufe des Älterwerdens verändern. Zunächst beleuchten wir die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen. Ungefähr zum 30. Lebensjahr ist diese kognitive Grundlage an ihrem Höhepunkt, wonach es jedoch bis hin zum Tod, zu einem stetigen Abbau dieses Prozesses kommt (Salthouse T. 2010).

Diese Tatsache begründet zu einem sehr großen Teil, warum es für ältere Menschen so viel anspruchsvoller ist, neue Fertigkeiten zu erlernen. Denn die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen liegt nahezu jeder kognitiven Funktion zugrunde. Dadurch haben Senioren automatisch eine viel schwierigere Ausgangssituation beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe o.ä. Sowohl das Aufnehmen von Informationen (z.B. Wo befindet sich der zu treffende Federball aktuell im Raum), als auch das verarbeiten und vor allem reagieren auf die einkommenden Informationen (Welche Muskelimpulse muss das Gehirn an die Extremitäten zurücksenden, um den Ball auch zu treffen?) werden demnach negativ beeinflusst. Bei Bewegungsabläufen, die sich innerhalb des Bruchteils einer Sekunde ereignen, ist es nicht schwer zu sehen, dass eine kleine Verzögerung in der Übertragungsgeschwindigkeit, einen großen Einfluss auf den Erfolg jener Bewegung hat. Abb. 3

Fazit

In diesem Artikel haben wir beschrieben welches die wichtigsten Komponenten des motorischen Lernens darstellen und welche Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten, das Alter in Bezug auf motorisches Lernen mit sich bringt. In einem anschließenden Wiki in diesem Themengebiet wäre interessant zu recherchieren, inwieweit man durch Training oder therapeutische Maßnahmen das stagnieren von motorischem Lernen im Alter, gegeben der nachlassenden Neuroplastizität, entgegenwirken kann.

Bildnachweise

Abbildung Rechte Name Student:innen
1 A Matthias Tichy
2 A Matthias Tichy
3 A Aron Hernandez Rivero
4 C

A = Eigenes Bild B = Freie Nutzung C = Recht das Bild im Wiki öffentlich benutzen zu dürfen

Literaturverzeichnis

Teil 1.

Boudreau, S. A., Farina, D., & Falla, D. (2010). The role of motor learning and neuroplasticity in designing rehabilitation approaches for musculoskeletal pain disorders. Manual therapy, 15(5), 410–414. https://doi.org/10.1016/j.math.2010.05.008

Haibach, P. S., Reid, G., & Collier, D. H. (2011). Motor learning and development. Human Kinetics.

Hossner, E.-J. & Künzell (2003). Motorisches Lernen. Handbuch Bewegungswissenschaft – Bewegungslehre (S.131-153). Mechling & J. Munzert.

Michael J.Zigmond, Floyd E. Bloom, Story C. Landis, James L. Roberts, Larry R. Squire (1999). Fundamental Neuroscience. Kapitel 10 Intracellular Signaling (S.269–315). Academic Press.

Schmidt, R. A., Lee, T. D., Winstein, C., Wulf, G., & Zelaznik, H. N. (2018). Motor control and learning: A behavioral emphasis. Human kinetics.

Teil 2.

Teil 3.

Boss, G. R., & Seegmiller, J. E. (1981). Age-related physiological changes and their clinical significance. The Western journal of medicine, 135(6), 434–440.

Voelcker-Rehage, C. Motor-skill learning in older adults—a review of studies on age-related differences. Eur Rev Aging Phys Act 5, 5–16 (2008). https://doi.org/10.1007/s11556-008-0030-9

Fjell, A. M., & Walhovd, K. B. (2010). Structural brain changes in aging: courses, causes and cognitive consequences. Reviews in the neurosciences, 21(3), 187–221. https://doi.org/10.1515/revneuro.2010.21.3.187

Harada, C. N., Natelson Love, M. C., & Triebel, K. L. (2013). Normal cognitive aging. Clinics in geriatric medicine, 29(4), 737–752. https://doi.org/10.1016/j.cger.2013.07.002

Salthouse T. (2012). Consequences of age-related cognitive declines. Annual review of psychology, 63, 201–226. https://doi.org/10.1146/annurev-psych-120710-100328

SALTHOUSE, T. (2010). Selective review of cognitive aging. Journal of the International Neuropsychological Society, 16(5), 754-760. doi:10.1017/S1355617710000706

Paul Geraedts (2019) Motorische Entwicklung und Steuerung Eine Einführung für Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Trainer

Horn, J. L., Donaldson, G., & Engstrom, R. (1981). Apprehension, Memory, and Fluid Intelligence Decline in Adulthood. Research on Aging, 3(1), 33–84. https://doi.org/10.1177/016402758131002

Bildnachweise

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2 B
3 C
4 C

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