FMP1407 Stat Dehnen/Schnellkraft

Title Statisches Dehnen und Schnellkraft
Veranstaltung Pro Seminar Forschungsmethoden 2 Sommersemester 2014
Leitung Prof. Dr. phil. Andre Seyfarth
Betreuung Martin Grimmer
Autoren Daniel Wagner, Panagiotis Kokalitsas, Pedro Körber und Jesco Kreh
letzte Bearbeitung

1. Einleitung

Wir befassten uns in unserem Forschungsprojekt mit der Forschungsfrage, hat Statisches Dehnen einen signifikanten Einfluss auf die Schnellkraft im M. quadtrizeps femoris? Wir entschieden uns für diese Frage, da zwei unserer Gruppenmitglieder Kampfsportler sind und in diesem Sport die Schnellkraft überaus wichtig ist. Es wird im Kampfsport meist statisch gedehnt, deshalb interessierten wir uns für die Unterschiede, vor und nach dem statischen Dehnen, bei der Streckung des Kniegelenks etwa wie bei einem Frontkick. Dazu untersuchten wir die Veränderung der Schnellkraft mit Hilfe des Isomed 2000. Der Isomed 2000 ist ein Isokinet, mit dem man Kräfte über das Drehmoment diagnostizieren kann. Er wird auch an den verschienden Olympia Stützpunkten, wie in Frankfurt, in Deutschland zum Krafttraining benutzt.

Aus unserer Forschungsfrage ergaben sich die folgenden zwei Hypothesen.

Hypothesen:

H0 Statisches Dehnen hat keinen signifikanten Unterschied im Hinblick auf die Schnellkraft.

H1 Statisches Dehnen hat einen signifikanten Einfluss im Hinblick auf die Schnellkraft bei der Streckung des Kniegelenks.

Definitionen:

Statisches Dehnen (Streching):

Beim statischen Dehnen (SD, auch SS, statisches Stretching) wird die Dehnposition mit einer langsamen Bewegung eingenommen und dann längere Zeit (mehrere Sekunden bis Minuten) unbeweglich beibehalten. Die PNF-Methoden beinhalten stets eine statische Dehnung des Zielmuskels.

Vorteile des passiven statischen Dehnens:

•Die Verletzungsgefahr ist auf Grund der kontrollierten Bewegungen minimal.

•Der Dehnungsreflex wird nicht ausgelöst. (vgl. Sampel et al., 2007. S.17)

Nachteile des passiv statischen Dehnens:

•Durch das lange Verharren in der extremen Dehnstellung wird der Kapsel Bandapparat unphysiologisch belastet.

•Durch die isolierte Dehnung des Muskels wird die intermuskuläre Koordination vernachlässigt (diese wird auch bei Maschinen-Krafttraining vernachlässigt).

•Es ist nur eine geringe lokale Durchblutungsförderung vorhanden und somit sind keine Aufwärmeffekte vorhanden. (vgl. Sampel et al., 2007. S.17)

Kraft:

Unter Kraft kann man die Fähigkeit verstehen willkürlich Gegenstände zu bewegen, Widerstände zu überwinden (konzentrisch), ihnen entgegenzuwirken (exzentrisch) oder sie auch zu halten (isometrisch). (vgl. Kempf, 2013, S.17).

Schnellkraft:

Mit Schnellkraft bezeichnet man die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, in der zur Verfügung stehenden Zeit einen möglichst großen Impuls (physikalisch: Stoßkraft) zu erzeugen.

Es können zwei Definitionen von Schnellkraft unterschieden werden. Dabei wird grundlegend unterschieden in:

• Schnellkraft, die das Ziel hat, einem Gegenstand eine hohe Endgeschwindigkeit zu geben (Bewegungen über 300 ms).

• Schnellkraft, die das Ziel hat, eine Bewegung in möglichst kurzer Zeit auszuführen (Bewegungen unterhalb 250 ms) – diese ist ein Teil der Reaktivkraft. Weiterhin muss man zwischen azyklischen (einmaligen, wie Ballsportarten, Wurfsportarten) und zyklischen (mehrfachen) Bewegungen unterscheiden, z.B. Sprinten, Schwimmen in Kurzdistanzen. Viele Sportarten beruhen auf einer Kombination beider Bewegungsarten (Weitspringen, Hochsprung, Hürdenlauf usw.). (vgl. Großer et al, 2012 S. 43)

Vermutung:

Aufgrund der vorliegenden Studien erwarten wir, dass statisches Dehnen einen negativen Einfluss auf die Schnellkraft hat. Je nachdem welche Studie man heran zieht, variiert die Schnellkraft von -3% bis -10% zum schlechteren hin. Die Gründe seien, dass die Muskeln nicht mehr tonisch genug sind oder auch, weil durch das Dehnen eine Entspannungssituation geschaffen sei, besonders beim statischen Dehnen. (vgl. Wiemeyer, 2003, S. 3)

2. Methoden

Forschungsdesign:

Gruppe Kraftdiag1 Erwärmg. Kraftdiag2 Dehnen Kraftdiag3
Versuchsgruppe Krafttest x Krafttest x Krafttest
Kontrollgruppe Krafttest x Krafttest o Krafttest

Untersuchungsobjekt: Wir haben die Schnellkraft in der konzentrischen Streckung des M. quadtriceps femoris vor dem Aufwärmen, nach dem Aufwärmen, vor dem statischen Dehnen und danach gemessen. Die Bewegung die wir untersuchten soll einem Frontkick aus dem Kampfsport gleichen. Die Bewegung sieht so aus, dass man ein Knie etwa in Bauchhöhe anzieht und aus dem Kniegelenk dann eine konzentrische Streckung des M. quadtriceps femoris verursacht. Untersucht wurde jeweils ein Bein, welches das Treatment Dehnen erhalten hat und ein Kontrollbein, das nicht gedehnt wurde. Den Versuch maßen wir mit dem Isomed 2000 (siehe Abbildung 1). Die Gruppen bestanden aus 9 Sportstudenten und Sportstudentinen im Alter von 20 - 25 Jahren.

Abbildung 1:

                                         Training und Messung am Isomed 2000

Die Dehnungszeit betrug 25 Sekunden pro Wiederholung, da man im Training auch zwischen 20-30 Sekunden dehnt. Wir haben jeweils 3 Wiederholungen mit dem Versuchsbein und dem Kontrollbein gemessen. Der Widerstand am Isokineten war maximal eingestellt und wir untersuchten die zweite Wiederholung, da man sich danach mit dem Gerät vertraut gemacht hatte, aber noch nicht zu erschöpft war. Davon schauten wir uns dann die Steigung der Kraft vom Nullwert der Parabel bis nach 150ms an, weil die Schnellkraft innerhalb dieser Zeit definiert ist.

3. Ergebnisse

Nummer VE NE ND
12063 Nm 2070 Nm 2000 Nm
22285 Nm 2415 Nm 2183 Nm
31920 Nm 1835 Nm 2085 Nm
41985 Nm 2075 Nm 2090 Nm
51740 Nm 1770 Nm 1748 Nm
6 942 Nm 1047 Nm 1010 Nm
7 792 Nm 1088 Nm 950 Nm
81523 Nm 1407 Nm 1980 Nm
91415 Nm 1628 Nm 1550 Nm

||Gruppen ||Anzahl ||Summe ||Mittelwert ||Varianz ||Std.abweichung||

VE 9 14665 Nm 1629.444444 Nm 258999.7778508.9202 Nm
NE 9 15335 Nm 1703.888889 Nm 212965.6111461.482 Nm
ND 9 15596 Nm 1732.888889 Nm 219460.3611468.466 Nm
Streuungsursache Quadratsummen (SS) Freiheitsgrade (df) Mittlere Quadratsumme (MS) Prüfgröße (F) P-Wert kritischer F-Wert
Unterschiede zwischen den Gruppen51251.185192 25625.59259 0.1111858761 0.8952306001 3.402826105
Innerhalb der Gruppen 5531406 24 230475.25 Gesamt: 5582657.185 26

ZUSAMMENFASSUNG

In der ersten Tabelle sieht man die Ergebnisse des Versuchsbeins vor dem Erwärmen (VE), nach dem Erwärmen (NE) und nach dem Dehnen (ND). Besonders sticht hier Proband 8 heraus, der vor der Erwärmung einen höheren Wert hat als danach und nach dem Dehnen einen extrem höheren Wert, der sogar den Ausgangswert übersteigt. Aus der zweiten Tabelle kann man den Mittelwert der drei Untersuchungzeitpunkte sehen. VE = 1629.444444 Nm, NE = 1703.888889 Nm, ND = 1732.888889 Nm. Man kann erkennen, dass im Durchschnitt der Wert nach dem Erwärmen steigt und ebenfalls nach dem Dehnen. Vergleicht man jedoch die Prüfsumme mit dem kritischen Wert im Hinblick auf die Freiheitsgrade, so erkennt man, dass unsere Ergebnisse nicht signifikant sind und somit nicht auf die Allgemeinheit übertragbar.

4. Diskussion

Interpretation

Bei unseren Untersuchen hat sich heraus gestellt, dass unsere Ergebnisse mit den Ergebnissen anderer Wissenschaftler nicht übereinstimmen (z.B. Wiemeyer 2002, Hennig und Podzielny 1994, dies könnte aber auch an einem Ausreißer liegen. Sie fanden durch ihre Untersuchungen heraus, dass statisches Dehnen nach dem Aufwärmprogramm, die Schnellkraftleistung erheblich negativ beeinträchtigt. Jedoch gibt es Unterschiede in der Methodik des Schnellkrafttests, da in den anderen Wissenschaften die Sprungleistung gemessen wurde. Nichts desto trotz kommen wir bei den Ergebnissen auf keinen gemeinsamen Nenner.

Somit können wir unsere H0 (= Statisches Dehnen hat keinen signifikanten Unterschied im Hinblick auf die Leistung der Schnellkraft) mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% zurückweisen, denn auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, hat statisches Dehnen nach dem Aufwärmen, einen negativen Einfluss auf die Schnellkraftleistung. Dies konnten wir nicht bestätigen. Die Forschungshypothese H1 (= Statisches Dehnen hat einen signifikanten Einfluss im Hinblick auf die Leistung der Schnellkraft bei der Streckung des Kniegelenks) ist zu verwerfen. Statisches Dehnen hat weder einen negativ noch positv signifikanten Zusammenhang im Hinblick auf die Leistung der Schnellkraft bei der Streckung des Kniegelenks.

Verlaufs- und Methodenkritik

Alles in allem war unser Foschungsdesign zwar gut geplant und strukturiert, jedoch gibt es noch Einiges zu kritisieren. An der Methodik ist zu kritisieren, dass die Kontrolle der vollständigen Abrufung der Leistung der Probanden schwierig ist, da nicht jeder Proband an seine Leistungsgrenze geht. Es besteht jedoch eine erhöhte Verletzungsgefahr bei der ersten Ausführung, da ohne Aufwärmen das Schnellkrafttraining durchgeführt wird.

5. Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass statisches Dehnen nach dem Aufwärmen weder einen negativen noch positiven signifikanten Einfluss auf die Schnellkraft hat. Auch wenn sich in der Umsetzung des Schnellkraft-Tests noch einiges kritisieren lässt, ist das Ergebnis dennoch klar und eindeutig. Leider haben wir das Kontrollbein nicht berechnet, womit unsere Berechnungen keine Kontrollgruppe besitzen mit der wir sie hätten vergleichen können. Zum Weiterforschen wäre die Frage interessant, ob langfristiges statisches Dehnen im Zeitraum von mehreren Monaten einen signifikanten Zusammenhang auf die Schnellkraft hat und ob es positive oder negative Veränderungen gibt. Dadurch ergibt sich dann ob es Sinn macht, vor Bewegungen die Schnellkraft erfordern, statisch zu dehnen.

6. Literatur

Grosser, M.; Starischka, St.: Zimmermann, E. (2012). Das neue Konditionstraining. BLV Buchverlag.

Sampel, K., Stolz, V. Zisch, B., (SS 2007). Dehnübungen. Zugriff am 10.08.2014 unter http://sport1.uibk.ac.at/lehre/lehrbeauftragte/Huber%20Reinhard/Dehnen_%DCbungen.pdf

Wiemeyer, J. (2003). Dehnen und Leistung – primär psychophysiologische Entspannungseffekte?. DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 54, Nr. 10 (2003).

Wiemeyer, J. (2002). Dehnen - eine sinnvolle Vorbereitungsmaßnahme im Sport?. Spectrum 14 (2002) Heft 1 .

Klee, A. Methoden und Wirkungen des Dehnungstrainings. Zugriff am 05. August 2014 http://www.biowiss-sport.de/kl-goettingen09.pdf.

Wydra, G. (2006). Dehnfähigkeit. In K. Bös & W. Brehm (Hrsg.), Handbuch Gesundheitssport (S. 265 - 274). Schorndorf: Hofmann.

Abbildung 1: Zugriff am 05.08.2014 unter http://www.reha.hr/cms/wp-content/uploads/20130422_162332-210x280.jpg.

fm/ps_fometh2/ss2014/fmp1407.txt · Zuletzt geändert: 18.12.2014 11:10 von Dario Tokur
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