FMP1408 Dyn Dehnen/Schnellkraft

Title Auswirkungen eines dynamischen Dehnens auf die Schnellkraftleistung
Veranstaltung Forschungsmethoden 2
Leitung Prof. Dr. phil. Andre Seyfarth
Betreuung Martin Grimmer
Autoren Sascha Müller, Maximilian Schmidt, Christian Stöcker, Jan Stolz
letzte Bearbeitung

1. Einleitung

In unserem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit dem Zusammenhang von dynamischen Dehnen auf die Schnellkraftleistung des Kniestreckers. Wir stellen uns also die Frage, inwiefern ein dynamisches Dehnprogramm die Leistungsfähigkeit der Schnellkraft beeinflusst.
Beim Literaturstudium zu möglichen Ergebnissen zu dieser Forschungsfrage sind wir auf zwei unterschiedliche Ergebnisse gestoßen. Zum einen sagen Klee und Wiemann, dass es „positive sowohl kurzfristige als auch langfristige Effekte von dynamischem Dehnen auf die Schnellkraftleistung“ 1 gibt. Dagegen gibt es allerdings auch das Ergebnis von Rogan, der sagt: „Schnelles dynamisches Dehnen am M. glutaeus maximus hat keinen Einfluss auf die Schnellkraft“. 2

Bevor wir zu unserer Forschungshypothese kommen, sollten wir die Begriffe definieren, die bei dieser Untersuchung relevant sind:
a) Schnellkraft : „Schnellkraft ist die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, einen möglichst großen Impuls (Kraftstoß) innerhalb einer verfügbaren Zeit zu entfalten.“ 3
c) Dynamisches Dehnen: aus Vordehnung verstärkte Dehnung durch rhythmische Kontraktion (Einsatz der antagonistischen Muskulatur) 4
d) (passiv-)dynamisches Dehnen : Rhythmischer Wechsel von Dehnung und Entspannung des zu dehnenden Muskels. Der zu dehnende Muskel wird durch äußere Kräfte in Dehnstellung gebracht.

Unsere Forschungshypothese ist, dass es einen Einfluss von dynamischen Dehnen auf die Schnellkraftleistung gibt. Diese Forschungshypothese wollen wir nun aufklären. Im Folgenden stellen wir unsere Methoden und Ergebnisse vor.

2. Methoden

Abb.1 m. quadriceps femoris

In unserer Forschung möchten wir die Leistung der Schnellkraft in einer konzentrischen Arbeit des M. quadriceps femoris nach einem passiv-dynamischen Dehnen messen.

Um unsere Forschungsfrage, ob ein dynamisches Dehnprogramm Einfluss auf die Schnellkraftleistungen des Kniestreckers hat, stellen wir folgenden Versuchsplan auf.

Im zeitlichen Rahmen dieses Projekts war es uns nur möglich, mit 4 Probanden zu arbeiten. Die Probanden sind ebenfalls Sportstudenten aus dem Seminar „Forschungsmethoden 2“ und betreiben regelmäßig Sport. Ihre körperliche Statur ist sportlich und trainiert.

Abb. 2: Proband bei einer Messung

Die Probanden durchlaufen folgenden Testaufbau:


Kraftdiagnose 13 Wiederholungen rechtes und linkes BeinSchnellkraft
Aufwärmen10 Minuten Laufband
Kraftdiagnose 23 Wiederholungen rechtes und linkes BeinSchnellkraft
Dehnung15 Wiederholungen a 1-2 Sekunden dynamisch 30 Sekunden Pause, 2 Sätze (nur ein Bein)
Kraftdiagnose 33 Wiederholungen rechtes und linkes BeinSchnellkraft



Die Schnellkraftmessungen werden dabei an dem Isomed 2000 durchgeführt. Durch den begrenzten zeitlichen Rahmen des Projekts haben wir eine Versuchs- und Kontrollgruppe dadurch erreicht, dass ein Dehnprogramm nur bei einem Bein der Probanden durchgeführt wurde. Damit es nicht zu Verfälschungen der Testergebnisse kommt, absolvierte die eine Hälfte der Probanden ein Dehnprogramm bei ihrem schwachen Bein, die andere Hälfte bei ihrem starken Bein.

Messungen:
Bei der Kraftübung am Isomed 2000 soll der Proband durch den Kniestrecker eine konzentrische Kraft gegen den Isomed ausüben. Die drei Messungen werden mit jeweils drei Wiederholungen, im kalten, aufgewärmten und gedehnten Zustand der Probanden durchgeführt. Die drei Wiederholungen dienen dazu, dass der Proband sich mit dem Testgerät bekanntmachen kann. Vorerst werden auf der rechten Seite 3Wdh. mit 240°/s gemacht. Anschließend 3 Wdh mit 60°/s. Nach Beendigung der rechten Seite wird der Schwenkarm für das linke Bein eingestellt. Dann werden die identischen Testprotokolle für die linke Seite wiederholt.

Aus den gemessenen Daten lässt sich dann die Schnellkraft in einem Zeit/Kraft-Diagramm durch ein Steigungsdreieck berechnen. Das Steigungsdreieck fängt beim 0-Punkt an und geht bis zum Maximum der Kurve.

Aufwärmprogramm:
Um die Probanden nach der ersten Messung aufzuwärmen, reichte uns ein 10 minütiges Aufwärmprogramm auf einem Laufband.

Dehnübung:
Für unsere Messung werden wir den Kniestrecker (muskulus quadriceps femoris) dehnen, indem man sich in den Kniestand begibt, mit aufrechtem Oberkörper und aus dieser Position heraus ein Bein nach vorne setzt. Nun sollten Ober- und Unterschenkel des nach vorne gesetzten Beines einen 90 Grad Winkel bilden. Der Fuß vom hinten liegenden Bein wird, um eine Dehnung zu erzielen, im Bereich des Knöchels gegriffen und langsam Richtung Gesäß gezogen. Die andere Hand kann zum Abstützen benutzt werden. Es ist wichtig darauf zu achten, dass während der Dehnung, kein Hohlkreuz entsteht (vgl.Hillebrecht & Schmidt). Da es sich bei uns um ein dynamisches Dehnen handelt, wird der Fuß nur 1 Sekunde in dieser Position gehalten und dann wird er wieder zurück zur Ausgangsposition geführt. Dieser Zyklus soll 20-mal wiederholt werden, jeder Zyklus sollte etwa um die 4 Sekunden dauern, das heißt, dass das untere Bein langsam in die Dehnung hineingeführt wird. Es erfolgt eine Pause von 30 Sekunden, und dann wird der Zyklus nochmals 20-mal widerholt, dies insgesamt 2 mal.

Abb. 3: Dynamische Dehnmethode

1. Position ist die Ausgangsstellung, von dort aus wird das hinter untere Bein herangezogen, wie im Bild, 2. Position. Das Bein wird kurz gehalten und wieder gelöst, dann wieder angezogen usw.5

3. Ergebnisse

Links:
Vor Erwärmung
Nach Erwärmung
Nach Dehnung

Vor Erwärmung Nach Erwärmung Nach Dehnung
Datenreihe 1 ca.250ms/-1500 ca.250ms/-1300 (-) ca.250ms/-1900 (+)
Datenreihe 2 ca.250ms/-1000 ca.250ms/-800 (-) ca.250ms/-800 ( = )
Datenreihe 3 ca.250ms/-2300 ca.250ms/-3000 (+) ca.250ms/-2700 (-)
Datenreihe 4 ca.250ms/-2200 ca.250ms/-2200 ( = )



Rechts:
Vor Erwärmung
Nach Erwärmung
Nach Dehnung

Vor Erwärmung Nach Erwärmung Nach Dehnung
Datenreihe 1 ca.250ms/-1800 ca.250ms/-1850 (+) ca.250ms/-1750 (-)
Datenreihe 2 ca.250ms/-1000 ca.250ms/-1000 ( = ) ca.250ms/-800 (-)
Datenreihe 3 ca.250ms/-3200 ca.250ms/-3000 (-) ca.250ms/-3700 (+)
Datenreihe 4 ca.250ms/-1800 ca.250ms/-1900 (+)

4. Diskussion

Zunächst muss die Methodik kritisiert werden, denn zum einen war die Flimmerverschmelzungsfrequenz zu Zeiten der Messungen defekt, somit konnten die Reaktionen des Gehirns auf die Muskelaktivitäten nicht mit in die Messung einbezogen werden. Es wurde also isoliert die Muskelaktivität gemessen. Zum anderen lässt sich schwer überprüfen, ob wirklich jeder Proband bei der Messung seine kompletten Kraftreserven ausschöpfen konnte. Zeitpunkt der Messung (Tageszeit - war der Organismus zum Zeitpunkt der Messung ausreichend aktiviert) und Trainingseinfluss (Erschöpfung vom Vortag) wurden nicht dokumentiert. Durch die erhöhte Verletzungsgefahr beim Schnellkraftversuch ohne vorheriges Aufwärmen, lässt sich nicht ausschliessen, dass die Probanden aus Selbstschutz nicht bis an die Grenzen gegangen sind.

Zu den Ergebnissen dieses Projektes sollte zunächst erwähnt werden, dass nur 4 Probanden getestet wurden, von denen einer aufgrund von technischen Fehlern aus der Messung fiel (Messreihe 4).

Es lässt sich eine signifikante Steigerung des Kraftverhaltens bei zwei von drei Messreihen feststellen, hier wurde ein Kraftzuwachs von 400 Einheiten im Vergleich „vor Erwärmung“ zu „nach Dehnung“ verzeichnet. Die Kontrollgruppe unterstützt dieses Ergebnis. Hier zeigte sich bei zwei von drei Probanden eine Leistungsabnahme. Die Ergebnisse dieser Untersuchung unterstützen somit die ausgewiesene Literatur in dem Fall, dass unsere H1 Hypothese: „Dynamisches Dehnen hat einen positiven Einfluss auf die Schnellkraft“ bestätigt wird.

5. Zusammenfassung

Insgesamt lässt sich ein positiver Einfluss von dynamischem Dehnen auf die Schnellkraft verzeichnen. Es sollte beachtet werden, dass in dieser Untersuchung nur der direkte Einfluss geprüft wurde. Ob hier ein langfristiger Einfluss besteht wäre für die Sportwissenschaft sicherlich interessant zu erfahren, kann aber mit unseren Ergebnissen nicht überprüft werden. Es müssten also weitere Untersuchungen folgen. Zuletzt ist zu beachten, dass diese Untersuchung auch zur Interpretation des direkten Einflusses nicht repräsentativ ist. Es wurden nur drei Probanden getestet, was lediglich einen Hinweis auf einen Einfluss von dynamischem Dehnen auf die Schnellkraft gibt.

6. Literatur

1 : Klee & Wiemann (2005): Methoden und Wirkungen des Dehnungstrainings in Beweglichkeit und Dehnfähigkeit. Schriftenreihe Praxisideen, Verlag K. Hofmann, Schorndorf.

2 : Rogan, S. et. al. (2012): Akute Effekte des schnellen dynamischen Dehnens auf die Schnellkraft von Eishockeyspielern: Eine Pilotstudie (Seiten 207-211). Georg Thieme Verlag KG Stuttgart.

3 : Grundkurs Krafttraining (Schulz) WS 2013/14 nach Schmidtbleicher (2003)

4 : Grundkurs Fitness- und Funktionsgymnastik (Schulz) WS 2013/14

5 : Handreichung zum Dynamischen Dehnen. http://wiki.ifs-tud.de/_media/fm/ps_fometh2/handreichung_zum_dynamischen_dehnen.pdf , Stand: 10.8.2014

7. Anhang

Abb. 1: http://www.pic2fly.com/Quad+Muscle+Tear.html, Zugriff am 12.07.2014

Abb. 2: eigenes Foto vom 18.06.2014

Abb. 3: http://www.docticare.it/pagine/Stretching-quadricipiti.aspx, Zugriff am 07.07.2014

fm/ps_fometh2/ss2014/fmp1408.txt · Zuletzt geändert: 18.12.2014 11:11 von Dario Tokur
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