WP1216 Rudern

Projekt WP 1216 - Rudern
Autoren Kay Kuipers, Dennis Dahms, Johanna Gürtelschmied
Lehrveranstaltung PS Biomechanik
Semester WiSe 2012/13
Voraussetzung Proseminar Biomechanik
Bearbeitungsdauer 60 min.
Präsentationstermin 22.01.2013
letzte Änderung am 18.02.2013


1. Einleitung

Ruderer selbst beschreiben ihren Sport als einen modernen Sport. Er fordert von den Athleten diverse spezifische Leistungsmerkmale wie „Kraft, Ruhe, Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer, Teamgeist, Freude am Wettkampf, Zielgerichtetheit und Konzentration“ (Fritsch, 2004, S. 7).
Der Reiz dieser Sportart besteht also nicht nur primär in der individuellen Kraft und Koordination, sondern auch in der Harmonie zwischen dem Athleten und dem Boot. „Die Biomechanik hat dabei die wichtige Rolle, die komplexe Ruderbewegung zu analysieren und daraus trainingsmethodisch verwertbare Informationen zur Entwicklung von Rudertechnik und –leistung abzuleiten„ (Hartmann et al., 2006, S. 213).

Das folgende Video stellt einen Ruderer in einem 1-Mann Rennboot dar. Die zyklische Bewegung lässt sich nach bewegungswissenschaftlicher Erkenntnis gut in die einzelnen Phasen gliedern.


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In der Hauptphase taucht das Ruderblatt ins Wasser und der Oberkörper befindet sich in der Vorlage. Diese Phase erstreckt sich solange bis die Ruderblätter das Wasser verlassen, der Oberkörper sich in Rücklage befindet und man somit ein Impuls weitergibt, der zu einer Translation des Bootes führt. Die Zwischenphase inkludiert nun die Zeit, in der das Blatt sich außerhalb des Wassers befindet und auf die Hauptphase vorbereitet wird.

Nachfolgend sind die wesentlichen Bestandteile eines Ruderbootes dargestellt, die in den folgenden Kapiteln referenziert werden.



2. Antrieb des Bootes

Ein effektiver Vortrieb wird durch verschiedene Faktoren ermöglicht, die der Ruderer direkt beeinflussen kann.

Dazu zählen:

  • der lange Antriebsweg,
  • die gleichförmige Beschleunigung & Geschwindigkeit,
  • der höchstmöglicher Widerstand am Blatt,
  • die mannschaftliche Zusammenarbeit & Dynamik.

(Vgl. Fritsch: 35)

Das Boot, samt den Ruderer zu bewegen, einfach gesagt, zu rudern, ist ohne das Wasser zu bewegen nicht möglich. Das Boot bewegt sich nach dem 3. Newton´schen Gesetz („actio gleich reactio“) fort (Newtonsche Gesetze). Über den Ruderschlag (actio) erzeugt man einen Impuls am Ruderblatt und Wasser als Medium wird in die entgegengesetzte Ruderrichtung beschleunigt, d.h. nach hinten gedrückt. Dieser Aktion ist eine Gegenreaktion (reactio) gegenübergestellt, die sich durch das Fortbewegen des Bootes äußert.“ (Vgl. Adrian: 28).

Diese Fortbewegung funktioniert alllerdings nur aufgrund der Trägheit der Masse des Wassers. Nur dadurch kann das „Abdrücken“ der Ruderschaufeln vom umgebenden Medium stattfinden (Vgl. Rodenwald; Schlichting: 4).

Das Boot besitzt vor dem Ruderschlag den Impuls pboot=mb*v0 und das Wasser den Impuls pwasser=mw*v0 (Zur Erinnerung: Der Impuls p berechnet sich aus der Masse m mal der Geschwindigkeit v; p=m*v) (Kraftstoß & Impuls). Dabei sind die Geschwindigkeit und der Gesamtimpuls gleich Null. Nach dem Ruderschlag bewegt sich das Boot mit einer positiven Geschwindigkeit v= +vb und einer Masse von m=mb fort. Das Wasser besitzt hingegen eine negative und entgegengesetze Geschwidigkeit von v= -vw und eine Masse von m=mw. Die Teilimpulse sind also betragsmäßig gleich groß, besitzen aber entgegengesetze Richtungen (P1= -P2). Der Gesamtimpuls hingegen ist nach dem Ruderschlag aufgrund des Impulserhaltungssatzes (Kraftstoß & Impuls) in geschlossenen Systemen genauso groß wie vor dem Ruderschlag, nämlich Null (Vgl. Adrian: 28).


                                                                               Verfasst von Johanna Gürtelschmied

Rechenbeispiel

Ein Ruderer (m=70kg) beschleunigt sich und sein Boot (m=20kg) mit der Gesamtmasse (mb) von 90kg aus dem Ruhezustand auf eine Geschwidndigkeit von vb= 1m/s. Auf welche Geschwindigkeit muss der Ruderer das Wasser mit der Masse mw= 10 kg beschleunigen, damit der Gesamtimpuls Null ergibt?

Antwort mit Hilfe des Impulserhaltungssatzes:

90kg*1m/s = 10kg*vw

  • Nach vw auflösen : vw=( 90kg*1m/s)/10kg = 9m/s
  • Der Ruderer muss das Wasser auf eine Geschwindigkeit von 9m/s beschleunigen.

(Vgl. Adrian: 28 f.)


                                                                              Verfasst von Johanna Gürtelschmied

Vergleich: Riemen und Skull

Das Ziel beim Rudern besteht darin das Wasser möglichst schnell zu beschleunigen, damit auch das Boot schnellst möglich in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt wird. Dabei kommt es nicht nur auf die Kraft des Ruderers an, sondern auch auf materielle Faktoren, wie z.B. die Form des Ruderblattes.

Im Rudersport differenziert man das vom Laie bezeichnete Ruder nochmals in zwei verschiedene Arten, nämlich in Riemen und Skulls.

Der Riemen unterscheidet sich in seiner Länge und Bedienweise vom Skull. Der Riemen ist länger konstruiert und besitzt einen längeren Griffbereich. Ein Riemen wird von einem Ruderer in beiden Händen gehalten, sodass man zwei Ruderer pro Paar benötigt. Aufgrund der einseitigen Kraftverteilung im Körper, ist ein Rudern alleine beim Riemenrudern nicht möglich.

Beim Skullen hingegen hat jeder Ruderer ein Ruder (Skull) in jeder Hand. Somit ist die Kraftverteilung im Körper symmetrisch und das alleinige Rudern ist möglich. Skulls sind generell kürzer und schmaler und haben einen entsprechenden kürzeren Griff als Riemen.

Insgesamt hat ein Ruderer beim Skullen einen höheren Druck zu bewältigen als beim Riemenrudern. Dies liegt daran, dass beim Riemen nur ein Ruder mit zwei Händen und somit insgesamt eine kleinere Fläche bewegt werden muss und dazu noch mit einem viel größeren Hebel. Der Durchzug des Riemenruderns fühlt sich somit viel leichter an.

(Vgl. Unterschied und Parallelen Skull/Riemen: 2ff).


                                                                              Verfasst von Johanna Gürtelschmied

3. Stemmbrett/ Rollbahn

Zunächst erstmal ein Bild, auf der das Innere eines Ruderbootes nochmal gezeigt wird:

Das Stemmbrett ist im Rennruderboot vor den Rollschienen, auf denen sich der Rollsitz befindet, befestigt. Im Profisport besteht das Stemmbrett aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, da es leicht und hoch belastbar ist. Im Alltagssport ist es jedoch üblich, das die Stemmbretter aus Holz oder Plastik sind, da diese einfach günstiger in der Herstellung sind. Das Stemmbrett dient als Fixpunkt, an dem sich die Athleten beim Zurückrollen abstoßen bzw. durch anwinkeln der Beine, beim Nachvornerollen heranziehen können.

Um eine gute Koordination zwischen den Athleten zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die Bewegungsabläufe fließend und möglichst gleichzeitig stattfinden, hierfür ist eine korrekte Einstellung, des Stemmbrettes und der Fersenkappe, unabkömmlich.

(Vgl. Wikipedia)


Folgendes bewirken die Einstelllungen am Stemmbrett:

Durch das Verschieben des Stemmbrettes in Richtung Heck, wird die Auslage (Vorlage) der Ruderer vergrößert und die Rücklage, der Rollweg und der Platz den die Ruderer zum Ausheben des Körpers brauchen umso mehr eingeschränkt.

Wenn das Stemmbrett in Richtung Bug verschobene wird, wird die Auslage (Vorlage) der Ruderer verkleinert, dadurch wird mehr Platz zum Ausheben der Körpers erzeugt. Wenn das Stemmbrett viel zu weit verschoben wird, können unter Umständen Probleme bei der Beinstreckung entstehen.

Wenn man den Winkel des Stemmbrettes zu Steil einstellt, hat die Ferse Weniger Kontakt zum Stemmbrett und der Endzug wird deutlich wirkungsvoller, hierdurch wird jedoch die Auslage (Vorlage) deutlich schwieriger erreicht.

Das einstellen eines flacheren Winkels des Stemmbrettes, sorgt für eine Überstreckung der Füße während der Rücklage, dadurch wird die Ruderbewegung deutlich unbequemer gemacht.


Folgendes bewirken die Einstellungen der Fersenkappe

Die Fersenkappe (Schuhe) sind fest am Stemmbrett montiert, können jedoch in ihrer Höhe Verstell werden, was Folgendes bewirken kann.

Wenn man die Fersenkappe zu hoch einstellt, wird das Erreichen der Auslage erschwert und es muss deutlich mehr Kraft aufgebracht werden, den Rollsitz wieder heran zu ziehen. Die Kraftübertragung in horizontaler Richtung wird verbessert.

Durch eine zu niedrig eingestellte Fersenkappe, wird es dem Ruderer erleichtert in die Auslage (Vorlage) zu kommen, die Stoßrichtung der Beine verliert jedoch ihre Effizienz, da die Kraft beim stoßen umso weniger in die Horizontale (gewünschte Richtung) umgesetzt wird. Bei extrem niedrigen Fersenkappen, können die Waden am Querlager des Bootes anstoßen.

Das Stemmbrett ist dann richtig eingestellt, wenn man in der Rücklage mit abgespreizten Daumen am Körper vorbeiziehen kann.

(Vgl. Fritsch)

Das Setzen (der Skulls in das Wasser)

„Das Setzen ist genau wie das Ausheben keine Phase, sondern ein Punkt in der Bewegung. Je kürzer die Verweildauer zwischen den beiden Phasen Vorrolle und Durchzug ist, desto weniger hat das Boot Zeit zu stampfen, kippen oder an Geschwindigkeit zu verlieren“ (Siehe Ruderwiki)

Setzbewegung

Das Setzen erfolgt nach der Vorrollbewegung. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schultern leicht vorgeneigt, Arme gestreckt und die Hände weit über die Bootswand nach außen geführt. Das Setzen erfolgt in dem kurzen Moment, wenn der Ruderer und somit der Rollsitz steht. Die Blätter sollten kurz vorher schon senkkrecht gedreht werden, damit hier weniger koordinations Probleme entstehen können. Die Blätter werden dann, durch eine lockerer aufwärts Bewegung der Hände ins Wasser gesetzt. Beim Setzen ist es wichtig, den Blättern Tauchtiefe und Winkel selbst wählen zu lassen, daher ist es besser die Bewegung eher als ein Fallen der Blätter zu betrachten.Ziel der Setzbewegung ist es, eine möglichst kurze Pause zu erzeugen, damit das Boot keine Zeit hat zu „Stampfen“ (Bewegungen in vertikaler Richtung), hierfür ist es wichtig, den Bewegungsablauf rund und locker durch zu führen.

(Vgl. Ruderwiki)

Das Vorrollen

Das Vorrollen beschreibt die Bewegung von der Rücklage in die Auslage (Vorlage), es wird hier jedoch häufig der Fehler gemacht, diesen Bewegungsablauf zu hektisch aus zu führen. Die Vorrollphase sollte dazu genutzt werden die Bootsgeschwindigkeit zu erhalten, sich zu erholen und den nächsten Durchzug vorzubereiten.

Vorrollbewegung

Bei der Vorrollbewegung hilft es, wenn man sich vorstellt das man nicht im Boot rollt, sondern das Boot unter sich durch zieht. Im Moment des Aushebens drückt man die Fersen leicht an das Stemmbrett und zieht die Fußspitzen heran, dadurch hat man die notwendige Kontrolle um die Bewegung von Boot, Händen und Oberkörper zu koordinieren. In der Mitte der Vorrolle liegt der Übergang von Arm/Oberkörperarbeit zu Beinarbeit. Dieser Übergang fällt mit der höchsten Rumpfgeschwindigkeit und damit den höchsten Energieverlust im Verlauf des ganzen Schlages zusammen. Je ruhiger der Übergang ist, je niedriger die Geschwindigkeitsspitze, desto geringer der Widerstand. Die Vorrollbewegung ist ausschlaggebend für die komplette Mannschaftskoordination, da hier der nächste Durchzug eingeleitet wird. Um eine möglichst geringen Geschwindigkeitsverlust in Kauf zu nehmen, müssen die Blätter am Ende der Vorrollbewegung schnell und ohne Pause, von allen Mannschaftsmitgliedern zügig und vor allem gleichzeitig ins Wasser gesetzt werden.

Im 27. Sportforum wurde häufig erwähnt, dass Rudern nicht einfach ist, hier ein Paar Fehlerquellen, die für Störungen im Ruderboot verantwortlich sein können. Jede Fehlerquelle hat direkten Einfluss auf die Lage des Bootes im Wasser und somit auch auf die Widerstände die ein leistungslimitierender Faktor im Rennsport sind. Wie diese Formwiderstände errechnet/erzeugt werden, wird im Kapitel 4. Widerstände beim Rudern, näher erleutert

Stampfen

„Zwei Positionen sind besonders anfällig:

• In der Phase zwischen Ausheben und Orthogonalstellung (= Hände-über-den-Knien, 90° Winkel der Skulls zum Kiel), erreicht der Rumpf die höchste Geschwindigkeit der ganzen Ruderbewegung. Wenn der Bug hier ins Wasser einsinkt, drückt er gegen das anströmende Wasser und der Formwiderstand des Bootes steigt.

• Je weiter man ins Heck rollt, desto mehr kommt der Bug aus dem Wasser und das Heck taucht ein. Auch das bremst enorm.“

(Zitat Ruderwiki)

Diese beiden „`Stampf-Bewegungen“' kann man nicht ganz verhindern, sie ergeben sich aus der Ruderbewegung an sich, werden aber durch Pausen/Vertikalbewegungen enorm verstärkt!

Hacken

Das Hacken entsteht durch einen Druckaufbau des Ruderers, bevor die Blätter die richtige tauchtiefe erreicht hat. Hier resultiert eine unsaubere unkontrollierte „Hack“ Bewegung. Die Kraftübertragung wird vermindert, es entstehen Unruhen im Boot und Wasser und es ist unmöglich einen sauberen Durchzug zu erzeugen.

Verzögertes Setzen

Ein gern gesehener Fehler (insbesondere unter Anfängern), ist das verzögerte Setzen, hier macht der Ruderer eine zu schnelle/ zu frühe Rollbewegung und erreicht vor den anderen Ruderern die Auslage (Vorlage), meist wird hier dann der Richtige Punkt versäumt die Skulls Synchron mit den anderen, ins Wasser zu setzen. Hierbei entsteht eine Pause in der Bewegung und die Mannschaftskoordination wird extrem gestört, daraus Folgt eine mangelnde Stabilität und somit unnötige Unruhen des Wassers

Vorschlagen

Das Gegenteil des verzögerten Setzens, ist das zu frühe eintauchen der Skulls. Dies wird meist durch eine mangelnde Körperspannung, zu schnelles Vorrollen oder die Angst zu langsam zu sein, erzeugt

Zu früher Beinstoß

Der Beinstoß sollte erst erfolgen, wenn man die Blätter in die richtige Tauchtiefe gebracht hat. Wenn die Athleten zu früh mit der Rollbewegung beginnen, entsteht automatisch eine Nachsetzbewegung die ein „Hacken“ erzeugt.

Blätter zu hoch gehoben

Vor dem Setzen der Blätter, sollten die Skulls eine möglichst gleichmäßige und flache Bewegungsbahn haben, werden die Blätter hier zu hochgehoben, entsteht zwangsweise eine Pause vor dem Setzen, da die Aufwärtsbewegung der Blätter erst noch in eine Abwärtsbewegung umgewandelt werden müssen.

(Vgl. Ruderwiki)

                                                                     Verfasst von Kay Kuipers



4. Widerstände beim Rudern

Der Widerstand ist beim Rudern ein leistungslimitierender Faktor, was die Bootskonstrukteure veranlasst strömungsgünstige Formen zu entwickeln. Dabei sind drei Widerstandsformen in Bezug auf das Wasser einflussgebend, der Wellenwiderstand, Reibungswiderstand und Formwiderstand. Aufbauend auf Kapitel DYN-6b, wird lediglich der Formwiderstand und Reibungswiderstand näher erläutert.

Formwiderstand

Ein Widerstand kann mit Hilfe der Formwiderstandskraft F genauer analysiert werden.

F = Widerstandskraft
ρ = Dichte des Wassers
v = Geschwindigkeit, mit der sich das Boot im Wasser bewegt
A = Stirnfläche des Bootes
c_w = Formbeiwert des Körpers ( Strömungswiderstandskoeffizienten)

Wie sich anhand der Formel gut ableiten lässt, gibt es wenige Stellglieder um den Widerstand individuell entgegenzuwirken. Geht man direkt an den Start, so sind außer der Geschwindigkeit des Bootes, bereits alle Variablen gegeben.
Um den Wasserwiderstand möglichst gering zu halten, wird beim Bootsbau versucht, den Formbeiwert und die Stirnfläche, unter Einhaltung der Wettkampfregeln zu minimieren. Dieses Ziel wird unter dem Aspekt gestärkt, dass 96 % des Gesamtwiderstands am Boot im Wasser, durch Form- und Reibungswiderstände verursacht werden. Deshalb haben sich über die Jahre zwei verschiedene Bootsformen etabliert, die U-Form und Halbkreis-Form, sie variieren nur noch in ihrer Länge innerhalb der Wettkampfnorm. Welchen Einfluss diese Formen noch haben, wird im Kapitel „Gleichgewicht des Bootes“ näher erläutert.

Reibungswiderstand

Wie im Wiki-Kapitel Dyn-6 dargestellt, entstehen bei dem Reibungswiderstand Grenzschichten an den Seiten des Bootes die mit weiteren Grenzschichten kollidieren, sodass durch die Reibung die Geschwindigkeit minimiert wird.

Dies lässt sich anhand folgender Formel verdeutlichen:

Der Vorfaktor a bezeichnet dabei eine Konstante, die die Bootsform und die benetzte Fläche des Bootes in Relation zieht. Wesentlich entscheidender ist der Punkt, dass die Geschwindigkeit ins Quadrat geht, welches einen höheren Widerstand zur Folge hat. Wie bereits beim Formwiderstand erkennbar, erhöht man den Widerstand immens, indem nur die Geschwindigkeit minimal erhöht. Schaffe ich es also meinen Widerstand um 2% zu senken, so erreiche ich eine um 4% höhere Geschwindigkeit. Anders gesagt, will ich meine Geschwindigkeit um 1% verbessern, so muss ich 3% mehr aufwenden. (vgl. Ruderwiki)



Zwischenfazit

Rennboote haben einen minimalen Widerstand der eine gute Widerstandsrate besitzt, allerdings ein instabiles Gleichgewicht bewirkt, wie das zusammenhängt, wird im nächsten Thema näher behandelt.


verfasst von D. Dahms


5. Gleichgewicht des Bootes

Wie bereits im vorigen Kapitel angesprochen, beherrschen momentan zwei Bootsformen die Oberhand im Bootsbau. Zum Einen die U-Form und zum Anderen die Halbkreis-Form.


Während sich die Längen der Boote kaum unterscheiden, sieht man hier bereits, dass es Unterschiede im Querschnitt gibt. Resultierend aus den Formen ergeben sich funktionelle Unterschiede, so haben Boote mit Halbkreis-Form den Vorteil, dass sie dem Wasser eine geringere Stirnfläche bieten und somit einen minimalen Widerstand zur Folge haben. Defizitär ist allerdings die hohe Anforderung an die Athleten, da aufgrund der minimalen Form, Stabilitätseinbußen kompensiert werden müssen. Daher ist dieser Querschnitttyp nur für Fortgeschrittene, während Boote mit U-Form wesentlich stabiler in der Wasserlage sind und somit für Einsteiger sehr gut geeignet sind.


Doch wie ergibt sich nun das Problem der Stabilität?

Wie bereits im „Wiki-Modul DYN-6 Äußere Kräfte-Statischer Auftrieb“ kurz erläutert, greifen zwei entscheidende Kräfte am Boot, die die Stabilität verursachen. Während die Gewichtskraft senkrecht nach unten gerichtet wirkt, agiert der Volumenmittelpunkt als Auftriebspunkt senkrecht nach oben. Liegen diese beiden Punkte auf einer senkrechten Linie, während sich der Volumenmittelpunkt unterhalb der Gewichtskraft befindet, so hat das Boot die Fähigkeit, sich jederzeit selbst wieder aufzurichten. Beide Querschnitte wirken sehr ähnlich zueinander, das ist allerdings die Krux, so haben bereits geringe Veränderungen am Querschnitt weitreichende Folgen auf die Stabilität des Bootes.

Diese Konstellation ist auf dem folgenden Bild nochmals vertiefender dargestellt.


Auf dem Bild sind beide Querschnitte in leichter Schräglage dargestellt, hierbei wird nun die unterschiedliche individuelle Reaktion deutlich. Damit das Boot wieder ins Lot gerichtet wird, muss es nach links kippen. Wie auf dem linken Bild mit dem roten Pfeil dargestellt, entsteht ein Drehmoment, welche das Boot in die Ursprungslage zurücklenkt. Bei der Halbkreis-Form auf dem rechten Bild wirkt allerdings ein Drehmoment in Kipprichtung, was ein Umkippen des Bootes zur Folge hätte, wenn nicht der Athlet diesen Vorgang ausgleicht. Dieses Modell stellt signifikant dar, für welchen Bootstyp man sich je nach Leistungsstruktur entscheiden sollte.


Doch wie genau kommt nun das Kippen zustande?

Der Buchstabe F gibt hier nun den Auftriebspunkt an, bei der die Kraft nach oben gerichtet ist. Die Gewichtskraft wird mit dem Buchstaben G dargestellt, sie bewirkt das die Kraft nach unten gerichtet durch den Bootsmittelpunkt führt. Bereits hier ist ein entscheidender Gegensatz zu den beiden Bootstypen zu erkennen, während der Punkt F nahezu gleich liegt, greift der Punkt G an verschiedenen Punkten an. Drastischer wird es mit der Integration des MB-Punktes ( apparentes Metazentrum), so liegt dieser bei dem linken Bild weit über G und bei dem rechten Bild unter G. Dieser Punkt verdeutlicht die Fähigkeit einer Bootsform, sich jederzeit selbst wieder aufzurichten, allerdings nur, sobald der Punkt über F und G liegt. Daraus resultieren zwei differierende Drehmomente in verschiedenen Richtungen. Während bei der U-Form ein positiver Hebel entsteht, verstärkt der negative Hebel bei der Halbkreisform-Form die Instabilität. (vgl. Filter )


Zwischenfazit

Aufgrund der unterschiedlichen Bauweisen der Außenstruktur der Boote, entstehen individuelle Stabilitätseigenschaften, die von den Athleten eine höhere Leistungsfähigkeit abverlangen.


verfasst von D. Dahms


Fragen

  1. Welche Faktoren ermöglichen den Antrieb des Bootes und welches Gesetz tritt hier in Kraft.
  2. Rudern ist nicht leicht, nenne mögliche Fehlerquellen und die Konsequenzen die daraus für das Team folgen
  3. Welche Bootsquerschnitte haben sich beim Rudern durchgesetzt. Nenne Merkmale/Unterschiede


Literatur

Adrian, Sascha: Die Physik des Rudersports unter biomechanischen Gesichtspunkten. http://home.rzg.mpg.de/~rfs/comas/lectures/SportundPhysik/materialien/Rudern/Physik_des_Rudersports.pdf. Letzter Zugriff am 09.01.2013.

Fritsch, Wolfgang: Rudern, Basics. S.35. Aachen: Meyer & Meyer Verlag, 1998.

Rodewald, Bernd; Schlichting, Joachim: Wenn Wasser schlüpfrig und Luft klebrig wird….http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fachbereich_physik/didaktik_physik/publikationen/wasser_schl_pfrig_rode.pdf. Letzter Zugriff am 09.01.2013.

Unterschied und Parallelen Skull/Riemen.http://www.sport.lu.ch/unterschied_skull-riemen.pdf. Letzter Zugriff am 09.01.2013.

Filter, K. (2012). Zugriff am 16.01.2013 unter: http://www.rudern.de/sportart/ruderanlagen-boote-und-reparaturen/boote/einfluesse-auf-die-geschwindigkeit/

Dudhia, A. (2012) Zugriff am 16.01.2013 unter: http://www.atm.ox.ac.uk/rowing/physics/

Fritsch, W. (2004). Tipps für Rudern. Aachen: Meyer & Meyer. S. 10ff

Hartmann, U. et al. (2006). Rudern und Rudertraining: Berichtsband zum Rudersymposium 2006 Berlin. Sindelfingen: Sportverlag Schmidt & Dreisilker GmbH.

Fritsch, W. (2005). Das große Buch vom Rennrudern(2., überarb. Auflage). Aachen: Meyer & Meyer.

Körner, T., Schwanitz, P. (1985). Rudern: Ein Lehrbuch für Trainer, Übungsleiter und Aktive. Berlin: Sportverlag.

Rish.de, (2012). Zugriff am 16.01.2013 unter: http://www.rish.de/

Cabrera, D., Ruina, A., Kleshnev, V. (2006). A simple dimensional model of rowing mimics observed forces and motions.

Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Stemmbrett


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Fritsch, W. (2008). „Rudern Basics“ (3. Aufl.). Aachen: Meyer & Meyer, S. 16.
Abbildung 2: Fritsch, W. (2008). „Rudern Basics“ (3. Aufl.). Aachen: Meyer & Meyer, S. 19.
Abbildung 3: Filter, K. (2012). „Einflüsse von Bootsform, Gewicht, Wind und Wassertemperatur auf die Ruderzeit“. Zugriff am 27.01.2013 unter http://www.rudern.de/sportart/ruderanlagen-boote-und-reparaturen/boote/einfluesse-auf-die-geschwindigkeit/
Abbildung 4: Filter, K. (2012). „Einflüsse von Bootsform, Gewicht, Wind und Wassertemperatur auf die Ruderzeit“. Zugriff am 27.01.2013 unter http://www.rudern.de/sportart/ruderanlagen-boote-und-reparaturen/boote/einfluesse-auf-die-geschwindigkeit/
Abbildung 5: Filter, K. (2012). „Einflüsse von Bootsform, Gewicht, Wind und Wassertemperatur auf die Ruderzeit“. Zugriff am 27.01.2013 unter http://www.rudern.de/sportart/ruderanlagen-boote-und-reparaturen/boote/einfluesse-auf-die-geschwindigkeit/
Abbildung 6: Filter, K. (2012). „Einflüsse von Bootsform, Gewicht, Wind und Wassertemperatur auf die Ruderzeit“. Zugriff am 27.01.2013 unter http://www.rudern.de/sportart/ruderanlagen-boote-und-reparaturen/boote/einfluesse-auf-die-geschwindigkeit/

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biomechanik/projekte/ws2012/rudern.txt · Zuletzt geändert: 16.04.2013 14:09 von d_tokur
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