WP1704 Kampfsport

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Modul-Titel Kampfsport
Veranstaltung Biomechanik Proseminar
Autor Ruben Füßler; Benjamin Schalthöfer
Bearbeitungsdauer 35 min.
Präsentationstermin 31.01.2017
Status Finalisiert
Zuletzt geändert 26.03.2018


Einleitung

In diesem Wiki- Modul befassen wir uns mit der Frage, welche die effektivste Kampfsportart ist. Auf der Suche nach der Antwort beginnen wir mit der Geschichte und der Entstehung der einzelnen Kampfkünste, und wie sich im Laufe der Zeit weiterentwickelten, bis sie sich schließlich heute als anerkannte Sportarten etabliert, und somit vergleichbar gemacht haben. Um den Unterschied von Kampfkunst und Kampfsport zu verdeutlichen haben wir die untenstehende Tabelle aus Wikipedia, die sich auf das Buch „Mechanik und Struktur der Kampfsportarten - Handbuch für Trainer in Kampfsport und Kampfkunst“ von Ralf Pfeifer [1] bezieht, aufgeführt. Des Weiteren befassen wir uns mit den allgemein gültigen Aspekten des Kämpfens und deren physikalischen Grundsätzen, die für jede Kampfsportart gelten.

Tabelle 1: Gegenüberstellung von Kampfsport und Kampflunst (Quelle: Wikipedia, Zugriff am 22.03.2018 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kampfsport)

Kampfkunst Kampfsport
Oberster Grundsatz: „Alles ist erlaubt, es gibt keine Regeln“, erfolgreiche SV-Techniken müssen keinem Regelwerk angepasst werden. Oberster Grundsatz: „Die Sportkämpfer dürfen keine dauerhaften Schäden erleiden“. Der Sportkampf soll auch Spaß machen.
Der Kampf beginnt und wird so lange fortgesetzt, bis einer der Gegner aufgibt (oder auch dazu nicht mehr in der Lage ist) oder sich dem Kampf entzieht. Der Kampf wird von einem Dritten (Kampfrichter) entschieden. Es kommt mehr darauf an, den Kampfrichter von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen, als den Gegner zu besiegen. Heimliche Fouls werden daher gerne als Hilfsmittel für den Sieg eingesetzt.
Der Gegner hat immer Recht, wenn die von ihm angewendete Technik erfolgreich war. Der Gegner kann Regelwidrigkeiten begehen und kann trotz eines Sieges nachträglich disqualifiziert werden.
Wenn einer der Kämpfer überlegen ist, wird er diese Überlegenheit nutzen und bis zum Sieg weiterkämpfen. Wenn einer der Kämpfer in eine überlegene Position gelangt, wird der Kampf in manchen Kampfsportarten unterbrochen und die Kämpfer dürfen wieder eine gleichwertige Ausgangsposition einnehmen.
Der Kampf wird zügig beendet, es gibt keine zweite Chance. Der Kampf wird künstlich verlängert, jeder bekommt immer wieder eine neue Chance. Wer am Anfang schlecht ausgesehen hat, kann hinterher trotzdem Sieger werden.
Wenn das Opfer aufgibt, muss es trotzdem mit weiteren Angriffen rechnen, insbesondere dann, wenn der Angriff Teil eines Verbrechens ist. Wenn ein Kämpfer aufgibt, sorgt der Schiedsrichter für das Ende des Kampfes und den sicheren Rückzug des unterlegenen Kämpfers. Nachschlagen oder treten nach dem Eingreifen des Ringrichters wird geahndet.
Das Technikprogramm umfasst nicht nur zweckmäßige SV-Techniken, sondern es muss auch die Abwehr von Angriffen geübt werden, die in Sportkampfstilen häufig und erfolgreich benutzt werden, da man sich den Gegner nicht aussuchen kann. Das Technikprogramm ist regelorientiert. Es wird nur das geübt, was im Sportkampf auch Erfolg bringt. Es ist nicht nötig, andere Techniken zu üben, da Gegner und Reglement dem Kämpfer vorher bekannt sind.
Weder Gegner noch Austragungsort ist bekannt. Es ist nicht möglich eine individuelle Strategie oder Technik für einen bestimmten Gegner zu erarbeiten. Der Gegner und Austragungsort des Kampfes ist Wochen oder Monate vorher bekannt. Es ist somit möglich, für jeden Gegner individuelle Strategien und Techniken zu erarbeiten, welche innerhalb des jeweiligen Regelwerks erlaubt sind.


verfasst von R. Füßler



Historie des Kampfsports

Das Kämpfen spielt in der Geschichte der Entwicklung des Menschen eine wichtige Rolle. Auch wenn sich der Kampf des Menschen zuerst gegen Tiere und Naturgewalten richtete, gab es bald auch untereinander kämpferische Auseinandersetzungen. Gründe dafür waren zum Beispiel das Verlangen nach Land, Nahrung, Gold, Macht, zur Verteidigung oder Präsentation vor Publikum. Erste Hinweise dafür ist ein Relief aus einer Grabanlage in Sakkara (20 km südlich von Kairo ca. 2300 v. Chr.). Hier fand man zahlreiche Darstellungen von Ringkampf- und Selbstverteidigungspraktiken. Nach dem Auszug der Tuaregs (islamische Nomaden der Sahara) wurde auch in Israel (ca. 1500 v. Chr.) Verteidigungskünste entdeckt, welche sich im heutigen Krav- Maga, eine Kampf- und Verteidigungstechnik der israelischen Polizei und des Militärs, wiederfinden. So beginnt der historisch belegte Verlauf der Kampfkunst. In der langen Entstehungsgeschichte haben sich bis heute einige hundert verschiedene Kampfkünste, und daraus Kampfsportarten, entwickelt. Wir haben hier die geschichtlich wichtigsten Kampfsportarten und bekanntesten rausgesucht und vorgestellt um euch einen ungefähren Überblick über die Entstehung und Zusammensetzung des heute sehr präsenten Kampfsports, dem MMA (Mixed Martial Arts = gemischte Kampfkünste), zu geben. Für eine detaillierte Auflistung aller Kampfkünste empfehlen wir:

http://kampfsportarten-abc.de/kampfsportarten-liste/

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kampfk%C3%BCnste_und_Kampfsportarten

Vorab sollte noch erwähnt werden, dass die meisten Unterschiede zwischen den Kampfstilen künstlicher Natur sind. Die Ausführung von Kampftechniken (Hebel, Würfe, Tritte, Schläge, usw.) sind an anatomische Gegebenheiten und physiologische Gesetze gebunden. Der Erfolg hängt nicht von der Namensgebung ab. Kampfschulen, die den jeweiligen Kampfstil anbieten, spezialisieren sich dementsprechend auf bestimmte Bereiche des Kämpfens (vgl. www.mudokwan.de/story.htm, Zugriff am 22.03.2018).


<spoiler|Exkurs: Historischer Fußall - Ein Ballsport ohne Regeln> Im Video sieht man Calcio Storico (Italienisch „historischer Fußball). Die Ursprünge liegen im 15. Jhd., als Sonntags nach dem Kirchengang gespielt wurde. Obwohl alle im schicken Sonntagsanzug kamen, wurde nicht durch das schöner gekleidet sein entschieden wer gewinnt, sondern welche Mannschaft mehr Tore mit einem Ball im gegnerischen Tor erzielt. Traditionell spielen die vier verschiedenen Viertel von Florenz gegeneinander. Wie dieser Sport heute aussieht könnt ihr in diesem Video erfahren.

</spoiler>


Die Schlag- und Tritttechniken (Striking) des MMA setzen sich überwiegend aus den folgenden Kampsportarten zusammen:


Tabelle 2: Ausführung und Herkunft der Kampfsportarten (mod. nach Weinmann, W., 1991).

Name Ausführung Herkunft
Boxen Gekämpft wird nur mit Fäusten; Früher mit Bandagen heute mit Boxhandschuhen; Jeder Treffer gibt Punkte; Es wird solange nach Runden und Zeit geboxt oder bis einer aufgibt oder KO geht Erste Darstellungen boxender Männer wurden in einem sumerischen Tempel von vor 7000 Jahren gefunden; Im 17. Jahrhundert entwickelte sich das moderne Boxen in England; um 1740 stellte der Engländer Jack Brougthon Regel auf; Seit 1867 gibt es Boxmeisterschaften; 1904 das erste Mal Olympisch; 1912 erster deutscher Boxclub; 1920 erste deutschen Meisterschaften
Kick-Boxen Fausttechnik aus dem Boxen; Kniestöße, Schienbeintritte und Ellbogen sind verboten; Tritte werden nicht wie beim Karate vor dem Gegner gestoppt Entstand Ende der siebziger Jahre in den USA; Hieß anfänglich „Full Contact (Karate)“
Taekwondo Rumpftreffer gibt einen Punkt, Kopf 3; Zusatzpunkte durch Drehbewegungen sind möglich; Es zeichnet sich durch seine überaus schnellen Tritte aus Das moderne Taekwondo entstand aus dem Karate erst um 1945 nach der japanischen Herrschaft in Korea; Bedeutet so viel wie „Fuß- Faust- Weg“
Muay Thai Muay Thai zeichnet sich durch seine effektiven Ellbogen und Kniestöße aus; Auch das Clinchen und Würfe und Schläge aus der Drehung können erlaubt sein; Daher zählt Muay Thai zu einer der brutalsten Kampfsportarten der Welt Eine jahrhundertalte Kampfkunst aus Thailand die traditionell mit Waffen unterrichtet wird; 1921 wurde der erste Wettkampf ausgetragen, 1929 das erste Mal mit Handschuhen
Karate Karate beinhaltet viele Selbstverteidigungstechniken; Die eigene Entwicklung und Entfaltung ist Ziel dieser Kampfkunst; Die Achtung des Gegners steht an oberster Stelle Seine Wurzeln entstammen dem Pankration der Griechen (648 v. Chr.) nach dem Alexander der Große es nach Indien brachte; Von dort aus gelangte es nach China und wurde in Shaolin- Kloster weiterentwickelt und bis nach Okinawa (Japan) verbreitet; 1922 wurde die erste Karateschule in Tokyo gegründet


Die Bodenkampf- und Ringtechniken (Grappling) des MMA setzen sich überwiegend aus den folgenden Kampfsportarten zusammen:

Tabelle 3: Ausführung und Herkunft der Kampfsportarten (mod. nach Weinmann, W., 1991).

Name Ausführung Herkunft
Brazilian Jiu- Jitsu Gekämpft wird in einem Gi; Tritte und Schläge sind verboten, es werden nur Hebel, Würger, Griffe, Feger etc. angewandt; Verschiedene Positionen geben Punkte solange bist eine bestimmte Zeitabgelaufen ist oder der Gegner aufgibt Ist eine Weiterentwicklung des Jiu- Jitsu und Judo und wurde von den Brüdern Gracie Anfang des 20. Jahrhundert in Südamerika entwickelt damit körperlich schwächeren Menschen Techniken aus dem Judo anwenden können
Ringen Es wird unterschieden zwischen Freistiel (ganzer Körper ist Angriffsfläche) und Griechisch- Römisch (Körper oberhalb der Gürtellinie gilt als Angriffsfläche); Würfe, Schleudern und Hebel sind erlaubt um den Gegner auf die Schultern zu bringen, danach ist der Kampf beendet oder nach Ablauf der Zeit nach Punktewertung Gerungen wurde schon bei den Olympischen Spielen in der Antike in Griechenland; Seit 1896 ist Ringen bei den modernen Olympischen Spielen vertreten und wird es noch bis 2028
Judo Die Ausführungen sind ähnlich der des Brazilian Jiu- Jitsu mit der Ausnahme, dass es Schlagtechniken beinhaltet; In erster Linie soll Judo Körper und Geist stärken 1884 deklariert in Japan Prof. Jigoro Kano mit den Worten: “Durch das Vereinen all der Vorteile, die ich verschiedenen Schulen des Jiu- Jitsu entnommen habe, und durch das Hinzufügen meiner eigenen Techniken habe ich ein neues System der Körperertüchtigung, des mentalen Trainings und des Wettkampfs gefunden. Dieses System nenne ich Kōdōkan-Jūdō.„ das heute bekannte Judo
Sambo Der Sieg kann entweder durch Punktevorsprung nach Ablauf der Zeit errungen werden oder vorzeitig durch Aufgabe des Gegners; In der Kategorie „Sport- Sambo“ sind Würfe, Fixierung des Gegners am Boden und Hebel auf Arme und Beine erlaubt. Würgegriffe sind im Gegensatz zum Judo verboten. 1917 verbreitete der russische Professor Oschenkol die volkstümliche Kampfsportart in der UdSSR (Sowjetunion)



verfasst von R. Füßler

Kampfsport Heute

Kampfsport ist nicht gleich Kampfsport. Wie wir aus den vorherigen Kapiteln entnehmen konnten, gibt es eine Vielzahl von Kampfkünsten, die ihren Ursprung vor tausenden von Jahren hatten und sich mit der Zeit weiterentwickelt und auf der ganzen Welt verbreitet haben. Doch welche dieser waffenlosen Künste, die nach ihrer Etablierung in die Gesellschaft zu Sportarten wurden, ist die effektivste? Um das herauszufinden wurde 1993 die UFC (Ultimate Fighting Championship) ins Leben gerufen, die Kämpfe ohne Regeln erlaubte. Beißen und in die Augen stechen war verboten, Tiefschläge und Haare ziehen wurde als unsportlich angesehen aber nicht untersagt. Gewichtsklassen und Kampfstileinschränkungen gab es keine. So war es möglich, dass Royce Gracie, BJJ’ler und Sohn einer der Gracie Brüder, mit seinen 80 kg die UFC Turniere 1, 2 und 4 für sich entscheiden konnte obwohl Schwergewichtler wie Sumoringer und Karateka mit dabei waren (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Royce_Gracie Zugriff am 22.03.2018). Aber wie kann das sein, wenn man von dem mechanischen Gesetz „Masse*Geschwindigkeit=Kraft“ ausgeht? Ab UFC 12 wurden erstmals Gewichtsklassen eingeführt, aber UFC 14 Handschuhe mit Fingerpolster um Platzwunden im Gesicht zu minimieren. So kamen immer mehr Regeln hinzu, da die Regierung in den USA den Sport als zu brutal einstufte und im Fernsehen verbot. Erst im Jahr 2000 fand die erste von der Regierung regulierte UFC Veranstaltung in New Jersey statt. Fortan wurde der Sport mit dem Namen MMA (Mixed Martial Arts) als vergleichbarer und fair angesehen.  Um festzustellen was ein „effektiver“ Schlag ist, muss man diverse Aspekte berücksichtigen, auf die wir im Folgenden kurz eingehen wollen. Der Faustschlag selbst ist, wie bereits erwähnt, so alt wie die Menschheit selbst. Er hatte also abertausende Jahre Zeit sich zu entwickeln. Wir wollen nun die verschiedenen Aspekte der Wirkung des Faustschlags ausleuchten (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ultimate_Fighting_Championship Zugriff am 22.03.2018).

Kampfsporttechniken heute

Zur Veranschaulichung der heutigen Techniken und Wirkungen ein erklärendes Video


verfasst von R. Füßler


Schlagtechnik

Um festzustellen was ein „effektiver“ Schlag ist, muss man diverse Aspekte berücksichtigen, auf die wir im Folgenden kurz eingehen wollen. Der Faustschlag selbst ist, wie bereits erwähnt, so alt wie die Menschehit selbst. Er hatte also abertausende Jahre Zeit sich zu entwickeln. Wir wollen nun die verschiedenen Aspekte der Wirkung des Faustschlags ausleuchten.

Die Schlagwirkung setzt sich laut Pfeifer [2] aus vier Komponenten zusammen (Abb. 1):


Abb.1: Übersicht der Schlagwirkungskomponenten (vgl. Pfeifer, R., 2014, S.96).


















Die physikalische Wirkung ergibt sich aus der Masse der Faust mal ihrer Geschwindigkeit. Hierbei handelt es sich um die Kraft die anschließend auf einen Gegner einwirkt und Schaden anrichtet.

Die physiologische Wirkung beschreibt den Effekt auf den Körper des Gegners. Schmerz und Schäden die er unmittelbar davonträgt (Mittlerer Schlag auf die Leber ist effektiver als harter Schlag auf den Oberarm).

Die psychologische Wirkung eines Schlags beschreibt die Wirkung auf den Geist des Gegners. Wird eine Ohrfeige statt eines Faustschlags ausgeteilt kann dies demütigend sein und den Gegner erniedrigen.

Die taktische Wirkung beschreibt zum Beispiel ein ausweichen in eine Richtung A weil der Gegner in Richtung B eine Finte ausgeübt hat. Anschließend Jedoch in Richtung B schlägt und somit den Gegner erwischt. Die Taktik einer Wirkung kann auch ein Heben oder Senken der Deckung heißen nachdem ein Angriff angetäuscht wurde.

Diese Komponenten ergeben mit der Schlagpräzision (gutes Timing und Zielen), Schlaggeschwindigkeit und Reichweite die Gesamtwirkung eines Schlags (mod. nach Pfeifer, 2014, S. 95 ff.).

Atmung

Beim Kampfsport spielt wie bei vielen anderen Sportarten auch die Atmung eine wichtige Rolle. Sie hilft uns durchzuhalten und mit richtigen Techniken kann die maximal aufzubringende Kraft erhöht werden. Laut Pfeifer (2014, S. 85 aus W.M. Saziorski, S.J. Aljeschinski, N.A. Jakunin, 1982) zeigten Untersuchungen, dass bei angehaltenem Atem (Pressatmung) eine 7% höhere Kraft als beim Ausatmen erzeugt werden kann und 12% mehr als beim Einatmen. Das hat zur Ursache dass der pneumomuskuläre Reflex die Leistungsfähigkeit der Skelettmuskeln erhöht. Da dies allerdings mit Risiken wie schlagartigem Blackout und platzenden Adern im Gehirn behaftet ist, steht es in keinem Verhältnis diese Technik, um maximale Kraft zu erzeugen, zu trainieren. Empfohlen wird ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper, daher wird oft schon früh, teils auch mit Schreien und ähnlichen Lauten, bei Schlägen und Tritten erlernt auszuatmen.

<note important>Pressatmung erzeugt die größte Kraft, ist jedoch mit Gesundheitsrisiken verbunden!</note>


Stand

Kommen wir nun zum Stand des Sportlers. Ein Gegenstand kann nur stabil Stehen wenn er drei Beine hat. Das zeigt auch die Alltagserfahrung. Nun hat der Mensch nur zwei Beine, wodurch „der stabile Stand“ schon gar nicht möglich ist, bzw. gar nicht existiert. Was aber laut Pfeifer (2014, S. 71) getan werden kann, ist den Schwerpunkt immer zwischen den Füßen zu haben (zweibeiniger Stand) oder exakt oberhalb des Fußes (einbeiniger Stand). Dazu muss noch in die Knie gegangen werden und die Bewegung des Gegners antizipiert werden um zu verhindern, dass er senkrecht zu einem von unseren Füßen aufgespannten Rechteck attackieren oder drücken kann. In diese Richtung ist der Stand immer am instabilsten (Abb. 2).

Abb.2: Standstabilität (mod. nach Pfeifer, R., 2014, S.71).


verfasst von B. Schalthöfer


Schlaghärte

Im Folgenden wollten wir auf die Schlaghärte eingehen und betrachten wie hart so ein Schlag eigentlich sein kann. Das hat sich jedoch während des Recherchierens verworfen, da einige Faktoren zu berücksichtigen sind, die eine so simple Betrachtung nicht gestatten.

Kommen wir zur Physik der Schlaghärte: Wir wissen, dass die kinetische Energie $$ E_{kin}=½*m*v² $$ beträgt. Da die Masse der Faust aber nur 1% der Körpermasse ausmacht, ist das nicht ausschlaggebend. Die Kraft ist wichtig, da die Faust als „Kraft x Weg“ abgebremst wird. Die Kraft kommt aus der Impulsänderung = Masse x geänderte Geschwindigkeit $$ Δp=m*Δv $$ (Geschwindigkeit geht nicht zum Quadrat in die Impulsänderung Δp ein). Siehe hierzu auch in Dynamik unter „Kraftstoß“. Ein kürzer Weg (Bremsweg) kombiniert mit einer harten Oberfläche, wenn kein gepolsteter Handschuh getragen wird, führt zu einer sehr hohen gemessenen Maximalkraft.

Ein langer Bremsweg kombiniert mit einer weichen und dick gepolsterten Handschuhoberfläche führt durch die starke Dämpfung zu einem deutlich niedrigeren gemessenen Kraftpeak auf der Messplatte.

<note important>Auftreffende Fläche und Deformation (z.B. des Handschuhs) sind entscheidende Faktoren bei der Bestimmung der Schlagkraft (Pfeifer, 2014 S. 104). </note>

Zur Veranschaulichung zeigt folgendes Bild (Abb. 3) den qualitativen Kraftverlauf bei verschiedenen Dämpfungsgraden.

Abb. 3: Kraftverlauf bei 1: Kaum Dämpfung 2: Mittlerer Dämpfung 3: Starke Dämpfung, nach Pfeifer (2014, S. 104)

Unabhängig von diesen Aspekten kann man allgemeine Regeln zur Schlagverstärkung formulieren. Wie bereits erwähnt beträgt die Masse der Hand nur 1% der Körpermasse. Durch Einsatz des Arms kann die Faust in Richtung Ziel bewegt werden und die dahinter stehende Masse deutlich erhöht werden. Die Muskelkette zwische Hüfte und Schulter (Rumpfmuskulatur) kann durch eine Rotation der Schulter nach vorne den Schlag verstärken (Pfeifer, 2014 S. 117 ff.). Die Muskelkette zwischen Boden und Hüfte führt zu einer Schräg nach vorne gerichteten Bewegung. Diese serielle Schaltung der Muskelketten führt zu einer maximalen Schlagverstärkung.



Der Schlag selbst kann natürlich auch durch einen „Schwinger“ deutlich schneller werden als durch die Technik „Fauststoß“, ist jedoch viel anfälliger geblockt oder gekontert zu werden. Die eigene Deckung wird beim Schwinger zudem auch meist vernachlässigt. Es ist Situationsbedingt welche Technik die richtige ist (Ausführungsdauer „Schwinger“ - 1s; „Fauststoß“ - 0,2s (vgl. Daumenlang, G., 2016 S. 78)).

<note tip>Merke: „DIE“ Schlagkraft als solches zu bestimmen ist nicht so ohne Weiteres möglich, da es keine genormte Messmethode mit vorgegebenen genormten Handschuhen und einer bestimmten Messplatte existieren. Was aber nach Erfassen der Aussage des Wikis nicht mehr so interessieren dürfte, da man erkannt haben sollte, dass andere Wirkungsfaktoren von größerer Bedeutung als der reine „Bums“ in einem Schlag sind.</note>

verfasst von B. Schalthöfer


Eigener Standpunkt

Beobachtung/ Erkenntnis/ Schlussfolgerung

Aus den von uns zusammengetragenen Erkenntnissen und Informationen über diverse Kampfsportarten und Kampfkünste von damals bis heute lässt sich schließen, dass im direkten Vergleich, wie damals bei den ersten UFC Fights, sich eine Hebeltechnik aus den Grapplingdisziplinen als entscheidender Vorteil erweist. Ausschlaggebend allerdings ist, welche Gegebenheiten und Regeln zu beachten sind. So gilt zum Beispiel auf der Straße das Gesetz „Wer zuerst zuschlägt, gewinnt“, sofern der Gewichtsunterschied nicht zu weit auseinandergeht. Im Käfig, der Arena der Kämpfer, ist man allerdings auf die Auseinandersetzung vorbereitet, so dass das Straßengesetzt keine Gültigkeit mehr besitzt und die jeweilige Kampfsportart bzw. Kunst sich gegeneinander messen lässt. So lässt sich, wie im Absatz der Historie, die Theorie des effektiveren Hebels oder Würgers im Vergleich zu Schlag- bzw. Tritttechniken stützen. Des Weiteren werden in verschiedenen Videos und Dokumentationen die Schlag- und Trittkraft, in Joule oder Kilogramm, gemessen. Daraus geht ebenfalls hervor, dass ein gezielter Schlag einen Gegner Knock- Out, also bewusstlos, machen kann. Hebel können dafür kontrollierter größere Schmerzen in Form von mehr Kraft (Hebelgesetz) verursachen. Diese Erkenntnisse beziehen sich auf die Siege von Royce Gracie und weiteren Grapplern, die scheinbar mangels geringeren Körpergewichts, physikalisch betrachtet, unterlegen waren.

verfasst von R. Füßler

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein mit wissenschaftlichen Werten hinterlegter Beweis zur Begründung, ob Grapplingsportarten den Schlag- und Trittsportarten überlegen ist, noch nicht existiert da dies schlichtweg nicht möglich ist. Angefangen bei der unterschiedlichen Maßeinheit eines aus Impulskraft ausgeführten Schlags (Newton) und ein auf Gelenke wirkendes Drehmoment (Newtonmeter). Aus rein historischer Sicht allerdings gesehen geht hervor, dass im heutigen MMA unter Regel und Aufsicht, ein Vorteil im Grappling nachzuweisen ist. Ausschlaggebend für den Sieg ist jedoch nicht die physikalische Kraft, Beweglichkeit oder Ausdauer, sondern das Wissen und die Erfahrung in der Anwendung verschiedenster Techniken die ein Kämpfer mitbringt.


Ausblick: Da wir das Thema „Kampfsport“ allgemein gehalten haben und uns auf Kampfsport an sich größtenteils beziehen, bieten alle hier aufgeführten verschiedenen kampfsportarten die Möglichkeit ein eigenes Wiki über sie zu verfassen. Wir haben uns in diesem Wiki größtenteils auf Mixed-Martial-Arts bezogen da diese eine Kombination von vielen dieser Kampfsportarten darstellt. Zudem ist anzumerken, dass alle erwähnten Kampfsportarten waffenlos sind. Es gäbe die Möglichkeit noch viel genauer auf Kampfsporttechniken mit Stock, Schwert oder Nunchaku einzugehen. Wir hoffen euer Interesse für weitere Kampfsportarten geweckt zu haben. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Wiki zu den gesellschaftlichen Aspekten in Bezug auf Kampfsport zu erstellen und etwaige Probleme zu diskutieren. Dies ist ein Einstiegswiki in das Thema Kampfsport.


Themenvorschläge für Folge-Wikis

  1. Gesellschaftliche Aspekte in Bezug auf Kampfsport
  2. Grappling-Techniken
  3. Kampfsportarten/-techniken mit Waffen
  4. Gewaltprävention
  5. Menschliche Aggression - Kompensation durch Kampfsport


verfasst von B. Schalthöfer/R.Füßler



Die Präsentation zu diesem Wiki wurde von uns mit Prezi erstellt und ist unter folgendem Link zu finden:

WP1704 Kampfsport



<spoiler|Für Interessierte> Für diejenigen, die wir mit diesem Wiki für Kampfsport begeistern konnten und sich nun selbst daran probieren möchten, wollen wir aus eigener Erfahrung zwei Kampfsportschulen in der Umgebung empfehlen: MACH (MMA-Gym in Hemsbach, Bergstraße) und Fighttime (Kampfsport-Gym in Darmstadt & Bensheim) </spoiler>

Fragen

<spoiler | 1. Nenne 3 Strike- und Grappling-Sportarten aus denen sich MMA zusammensetzt> Strike: Boxen, Kick-Boxen, Taekwondo, Muay Thai, Karate Grappling: Brazilian Jiu-Jitsu, Ringen, Judo, Sambo </spoiler>

<spoiler | 2. Wie setzt sich die Schlagwirkung zusammen?> Aus 4 Aspekten: Physikalisch, Physiologisch, Psychisch, Taktisch </spoiler>

<spoiler | 3. Nenne 3 Unterschiede zwischen Kampfkunst und -sport> Siehe Einleitung (Tabelle) </spoiler>

Literatur

[1] Dr. Wolfgang Weinmann (1991). Das Kampfsport-Lexikon von Aikido bis Zen. Berlin: Verlag Weinmann.

[2] Ralf Pfeifer (2014). Ars Martialis. Köln: Sportverlag Strauß.

[3] Gunther Daumenlang (2016). Kampfkunst im Focus der Wissenschaft - Keil und 3-Gelenke-Kraft. Köln: Sportverlag Strauß.


biomechanik/projekte/ws2017/wp1704.txt · Zuletzt geändert: 12.11.2019 00:07 von Fabian Zwetsch
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