Spielen lernt man durch spielen - Das Anfänger-Problem

Warum gestaltet sich Mitgliederfindung und -bindung im Tennis so schwierig? Woher kommt diese Problematik und kann man hier vielleicht von anderen Sportarten lernen?

Zuallererst stellen sich allgemeine Fragen nach dem Einstieg in die Sportart:

  • Was ist nötig, damit ein Anfänger nach einem Probetraining wieder kommt?
  • Wie kann das im Tennis umgesetzt werden und was sind die wesentlichen Punkte eines Probetrainings?

Um den Fragen nach und nach auf den Grund zu gehen, muss zuerst analysiert werden was einen Anfänger grundsätzlich motiviert. Dies können beispielsweise sein: Lernerfolge, positive Erlebnisse, neue Freundschaften zu knüpfen, Spaß zu haben, etc. Genauer betrachtet ist es demnach wichtig, zuallererst die Techniken zu erlernen und möglichst schnell die Spielform der Sportart zu beherrschen. Umgekehrt betrachtet bedeuten Misserfolge beim Erlernen der Technik und ein Nicht-Erreichen einer Spielform eine Demotivation und Spaßverlust.

Wie schon in Tennis für Anfänger beschrieben, hält die Sportart Tennis aber einige Einstiegshürden bereit. Neben der dort beschriebenen Komplexität und der daraus resultierenden Schwierigkeit eines einzelnen Schlages, kommen durch die in den Tennisregeln verankerten Spielformen 1-gegen-1 oder 2-gegen-2 weitere Einschränkungen und damit weitere Schwierigkeiten hinzu. Wie ist nun aber mit diesen Hürden umzugehen? Hier lohnt sich zuerst ein Blick in andere Sportarten. Ist ein Fußballspieler alleine auf dem Platz, kann er das Dribbeln oder das Schießen üben. Sind die Spieler zu zweit, können sie sich den Ball zupassen oder einer der beiden wird Torwart. Auch wenn sie zu dritt oder mehr sind, ergeben sich umso mehr Spielformen. Dies lässt sich auch auf Handball und Basketball übertragen.

Wie lässt sich das auf Tennis übertragen? Welches weitere Problem ergibt sich aber hieraus? Zu Beginn muss die Frage geklärt werden: wie sieht ein Tennisspiel alleine aus? Ähnlich dem Dribbeln beim Fußball können hier Übungen zur Ball- und Schlägergewöhnung eingesetzt werden. Alternativ können eigens angeworfene Bälle geschlagen oder Aufschläge trainiert werden. Letzteres ist allerdings erst nach dem Erlernen der Schläge möglich. Das eigenständige Üben an einer Tenniswand wird kontrovers diskutiert, stellt aber eine weitere Möglichkeit dar alleine Tennis zu spielen. Was passiert nun aber mit zwei Anfängern? Hierzu ein kleiner Gedankengang: der entscheidende Bestandteil des Tennisspiels, um es als „Spiel“ zu bezeichnen, ist: der Ballwechsel. Bei Anfängern gibt es nun mehrere „Fehlerquellen“, die einen Ballwechsel beenden: Schlagfehler, Netzfehler und Ausbälle. Ballwechsel ohne Netz und ohne Feld eliminieren zwei der drei Fehlerquellen! Die letzte verbleibende Fehlerquelle „Schlagfehler“ kann gering gehalten werden indem der Abstand der beiden Spieler und damit im Endeffekt die Spielgeschwindigkeit verringert wird. Dies wird mit entsprechend druckreduzierten Bällen noch optimaler einstellbar. Beachtet man all diese Faktoren beim Spiel mit zwei Anfängern, kann auch hier in einem Probetraining recht schnell ein erfolgreicher Ballwechsel zustande kommen! Zuallerletzt müssen die bisherigen Grenzen des „Spiels“ aufgebrochen werden. Die Festlegung auf ein Spiel zu zweit oder zu viert muss aufgegeben werden, es müssen Spielformen für alle möglichen Konstellationen gefunden werden (Spielformen im Schultennis).

Sportartübergreifend lässt sich also festhalten:

  • ein Probetraining muss Spaß und positive Erlebnisse erzeugen
  • Spaß und Motivation entstehen durch Erfolg, Misserfolg führt zu Spaßverlust und Demotivation
  • Fehlerquellen müssen ausgeschaltet oder minimiert werden um ein Spiel zu erzeugen

Für Tennis bedeutet das:

  • alters- und spielstärkengerechte Spielformen entwickeln, die Spaß machen
  • Anforderungen runterschrauben um Fehlerquellen zu minimieren, die einen Spielfluss behindern
tennis/spielen.txt · Zuletzt geändert: 15.01.2017 22:52 von Nils Falko Reinhardt
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